1. 1801
  2. 1845
  3. 1874
  4. 1900
  5. 1955
  6. 1983
  7. 2006

1801

Das neu errichtete Theater an der Wien, 1801

Das neu errichtete Theater an der Wien, 1801

Am 13. Juni, 7 Uhr abends, konnte Emanuel Schikaneder das Theater an der Wien als „Kaiserl. Königl. privilegiertes Schauspielhaus“ mit dem selbst verfassten allegorischen Festprolog Thespis Traum und der heroischen Oper Alexander von Franz Teyber eröffnen. Das Bühnenhaus war außen ockergelb mit Empire-Fenstern und innen blau und silber geschmückt (da die Farben Rot und Gold dem Hof vorbehalten waren) und „so geräumig, wie kein zweites in Wien“ – es fasste nahezu 2000 Besucher. „Schikaneder treibt sein Wesen in der Vorstadt an der Wien, wo er sich ein gar stattliches Haus gebaut hat, dessen Einrichtung mancher Schauspieldirektor mit Nutzen besuchen könnte und sollte …“ (Johann Gottfried Seume auf seinem „Spaziergang nach Syracus“, Oktober 1801)

1803

Ansicht Papagenotor (heute Millöckergasse), 1801

Ansicht Papagenotor (heute Millöckergasse), 1801

Nach nur zwei Jahren waren der Geldgeber und sein Theaterdirektor zerstritten und bankrott. Schikaneder musste das Haus an seinen schlimmsten Feind, Peter Freiherr von Braun, verkaufen. Er behielt aber – im Besitz des kaiserlichen Privilegs (wie heute noch der Adler über dem Papageno-Tor zeigt) – die künstlerische Leitung und engagierte Ludwig van Beethoven als Kapellmeister und Hauskomponisten. Am 3. April 1803 werden in einer „Akademie“ das Oratorium Christus am Ölberg, die 2. Symphonie und das c-Moll-Klavierkonzert uraufgeführt.

1805

Beethovens Fidelio, die Eroica und viele seiner Orchesterwerke werden im Theater an der Wien, teils unter Beethovens Leitung oder seiner Mitwirkung als Pianist, uraufgeführt.

1810

Unter der Direktion der „Gesellschaft der Cavaliere“ erhält das häufig wechselnde Programm, bunt gemischt durch Musiktheater, Lustspiel, „Akademie“ (Konzert) und Tragödie, einen neuen Akzent durch die Mode der Ritterstücke: So kommt es am 17. März 1810 zur Uraufführung von Heinrich von Kleists Das Käthchen von Heilbronn.

1812

Schikaneder stirbt völlig verarmt und verlassen. Sein Geist lebt in seinem Theater weiter: Dort dominieren Aufführungen mit sehr spektakulären Effekten, wie Zaubermärchen und Ritter-Turniere mit Schwertkämpfen und brennenden Burgen. Dazu gehört auch Friedrich von Schillers Trauerspiel Die Jungfrau von Orleans mit mehr als 400 Personen und 80 Pferden auf der Bühne. 1815 bis 1821 gelten die „Kinderballetts des Grafen Palffy“ als größte Sehenswürdigkeit, aus denen unter anderen die später weltberühmte Fanny Elßler hervorging.

1817

Gioacchino Rossinis Opern lösen eine wahre Hysterie in Wien aus. Mit der Uraufführung von Franz Grillparzers Die Ahnfrau hinterlässt einiges, was an Österreichischer Klassik zwei Jahrhunderte überdauerte, auch am Theater an der Wien seine Spuren.

1818

Ferdinand Raimund tritt erstmals hier auf. 1827 wird sein Zauberspiel Moisasurs Zauberfluch uraufgeführt, bevor Johann Nestroy die nächsten 20 Jahre dominiert. Beiden wurde auf dem Eisernen Vorhang neben der Zauberflöte ein bleibendes Denkmal gesetzt.

1820

Im August wird erstmals das Theater an der Wien in der Lotterie ausgespielt, da die Einnahmen nicht ausreichen, um den Spielbetrieb zu gewährleisten. Auch später bringen Lotterien den Pächtern Geld, während die Gewinner sich lieber den Gewinn bar auszahlen lassen, als das Theater zu übernehmen! Die Uraufführung der Oper Die Zauberharfe von Franz Schubert und seiner Musik zu dem romantischen Trauerspiel Rosamunde zeigen, dass auch Musiktheater und Schauspiel ständig die neuesten Entwicklungen mitmachten.

1825

Karl Carl, aus München kommend, übernimmt das total verschuldete Theater und erobert als „Staberl“ schnell die Herzen der Wiener. Spektakel-Komödien und Ritterstücke locken das Publikum an, während der neue Direktor seine Darsteller wie Statisten behandelt (und dementsprechend bezahlt!). Auch das Theater in der Josefstadt kommt 1827 unter seine Direktion, und damit gewinnt Carl einen neuen Hauptdarsteller: Wenzel Scholz, den dicken Komiker, der nicht umsonst neben Nestroy und Raimund auf dem Eisernen Vorhang verewigt ist.

1830

Die Schauspielerin Therese Krones und Johann Nestroy treten ins Ensemble des Theater an der Wien. Die folgenden Jahre bringen einige erfolgreiche Uraufführungen von Nestroy, bei denen er stets eine der Hauptrollen spielt und seinen Zeitgenossen den Spiegel vors Gesicht hält: 1833 Lumpazivagabundus, 1835 Zu ebener Erde und erster Stock, 1837 Das Haus der Temperamente, 1840 Der Talisman, 1841 Das Mädl aus der Vorstadt, 1842 Einen Jux will er sich machen, 1843 Liebesgeschichten und Heiratssachen, 1844 Der Zerrissene.

1845

Kaiserl. Königl. Schauspielhaus an der Wien

Kaiserl. Königl. Schauspielhaus an der Wien

Durch eine "feindliche Übernahme" (ein Gönner zahlte die auf dem Haus lastenden Schulden) erwirbt Franz Pokorny das Theater an der Wien und Direktor Karl Carl muss mitsamt seiner Truppe ausziehen. Pokorny will künftig hauptsächlich Opern spielen, geht aber, trotz eines sensationellen Gastspiels der "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind, sehr bald in Konkurs. Nach den Wirren der Revolution von 1848 und dem Tod des Vaters führt Alois Pokorny ebenfalls eher glücklos die Direktion. Hauskomponist Franz von Suppé komponiert 1860 mit Das Pensionat die erste wienerische Operette.

1862

Mit der Übernahme des Hauses durch Friedrich Stampfer beginnt der Siegeszug der Operette. Die Hausdiva Josefine Gallmeyer, attraktiv, frech und frivol, führt in Wien den Cancan ein. Marie Geistinger, ihre stärkste Konkurrentin, sorgt dafür, dass Offenbachs Pariser Erfolge Die schöne Helena und Die Großherzogin von Gerolstein im Theater an der Wien fortgesetzt werden.

1874

In diesem Jahr tritt nicht nur Alexander Girardi zum ersten Mal im Theater an der Wien auf, am 5. April beginnt auch mit der Uraufführung von Johann Strauss’ Die Fledermaus das "Goldene Zeitalter der Wiener Operette". Auf Jahre hinaus wird durch die Operetten von Johann Strauß (Der Zigeunerbaron, 1885), Carl Zeller (Der Vogelhändler, 1891) und Carl Millöcker (Der Bettelstudent, 1883) das Unterhaltungsbedürfnis der Wiener und bald der ganzen Welt mit größtem Charme und höchster musikalischer Qualität zufrieden gestellt.

1900

Innenansicht des Kabaretts 'Die Hölle', Foto 1910

Innenansicht des Kabaretts "Die Hölle", Foto 1910

Das biedermeierliche Vorhaus ("an der Laimgruben 26") wird durch ein Wohnhaus im Stil der Jahrhundertwende ersetzt. Im Keller beherbergt dieses Gebäude später das Kabarett Die Hölle, wie der heutige Pausenraum im Hausjargon immer noch heißt. Neben Kabarettprogrammen, Chansonabenden und Lustspielen werden hier auch kleine Operetten uraufgeführt, so u. a. Falls Brüderlein fein oder Lehárs Frühling.

1905

Theaterzettel 'Die Lustige Witwe' von Franz Lehár, 1906

Theaterzettel "Die Lustige Witwe" von Franz Lehár, 1906

Mit Die Lustige Witwe von Franz Lehár beginnt eine erfolgreiche zweite, die "Silberne Ära der Wiener Operette". Neben Lehar sind vor allem Emmerich Kálmán, Edmund Eysler, Leo Fall, Bruno Granichstädten, als späte Ausläufer noch Ralph Benatzky und Paul Abraham die Protagonisten dieser Ära. Der spezielle Stil des Theater an der Wien, beste Unterhaltung mit künstlerischem Engagement, wird von den Direktoren Wilhelm Karczag und seinem Schwiegersohn Hubert Marischka fast vierzig Jahre lang praktiziert.

1923

Franz Lehars Die gelbe Jacke wird hier uraufgeführt und kommt 1930 mit Richard Tauber als Das Land des Lächelns wieder.

1932

Ein letzter Höhepunkt: Sissy, zur Musik des Geigers Fritz Kreisler und Paula Wessely in der Titelrolle, wird ein Serienerfolg. Huberts Marischkas Bruder Ernst wird noch zwanzig Jahre später aus demselben Stoff mit Romy Schneider in der Titelrolle die Filmlegende Sissi schaffen.

1936

Mit Zarah Leander in Ralph Benatzkys Axel an der Himmelstür geht eine lange Ära zu Ende. Der Film wird für eine Zeit lang viele Aufgaben des Unterhaltungstheaters übernehmen. Schon vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 geschlossen und außer durch einige "Kraft durch Freude"-Veranstaltungen nicht genutzt, übersteht das Theater an der Wien den Krieg unbeschädigt.

1945

Am 6. Oktober wird das Haus mit Fidelio vom Ensemble der Wiener Staatsoper und den Wiener Philharmonikern unter Josef Krips wiedereröffnet. In fünf Inszenierungen (1945 Die Hochzeit des Figaro, 1946 Don Giovanni und Die Entführung aus dem Serail, 1947 Così fan tutte und schließlich 1948 Die Zauberflöte) entsteht unter sehr spezifischen Bedingungen der legendäre "Wiener Mozartstil".

1951

Zur 150-Jahr-Feier hat das Theater an der Wien mit einem umfangreichen Repertoire und mit den großen Dirigenten der Zeit (Karl Böhm, Hans Knappertsbusch oder Clemens Kraus) den Rang eines der bedeutendsten Opernhäuser Europas.

1955

Vordach Theater an der Wien, 1962

Vordach Theater an der Wien, 1962

Die Staatsoper bezieht ihr wieder aufgebautes Haus am Ring. Überlegungen werden laut, das Theater an der Wien durch eine Großgarage oder ein Kaufhaus zu ersetzen. Zum Glück wurde das Theater aber nicht nur als Festspielhaus der Wiener Festwochen erhalten, sondern auch sorgfältig renoviert und technisch erstklassig ausgestattet.

1962

Portal Theater an der Wien, 1962

Portal Theater an der Wien, 1962

Mit einem Festakt am 28. Mai wird das Haus von Bundespräsident Adolf Schärf seiner neuen Bestimmung als Spielort der Wiener Festwochen übergeben. Die szenische Eröffnung folgt zwei Tage später mit Mozarts Die Zauberflöte unter Herbert von Karajan.

1964

Am 14. Juni wird Die Letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus am Theater an der Wien uraufgeführt.

1965

Unter der Ägide von Intendant Rolf Kutschera werden die neuesten Musical-Erfolge vom Broadway mit eigenem Ensemble in deutscher Sprache aufgeführt. In mehreren Spielserien von 50 bis 70 Vorstellungen laufen so u. a. Anatevka, Der Mann von La Mancha, Zorba, Evita oder Jesus Christ Superstar.

1967

Die Lustige Witwe wird als Sommeroperette (zunächst mit Johannes Heesters) in den Spielplan aufgenommen und die folgenden 13 Jahre gezeigt. Der italienische Star-Tenor Giuseppe di Stefano gastiert mit riesigem Erfolg in Lehárs Das Land des Lächelns.

1972

Mit Helden, Helden (Musik: Udo Jürgens) wird die erste selbst kreierte Musicalproduktion uraufgeführt. Es folgen 1977 Das Glas Wasser und 1978 Die Gräfin vom Naschmarkt.

1951

Zur 150-Jahr-Feier hat das Theater an der Wien mit einem umfangreichen Repertoire und mit den großen Dirigenten der Zeit (Karl Böhm, Hans Knappertsbusch oder Clemens Kraus) den Rang eines der bedeutendsten Opernhäuser Europas.

1983

Cats eröffnet die Direktionszeit von Peter Weck und wird zum ersten lang laufenden Serienerfolg auf dem Kontinent. Es folgen Das Phantom der Oper und Freudiana.

1992

Im September inszeniert der renommierte Opernregisseur Harry Kupfer die Uraufführung des Musicals Elisabeth.

1999

Nach der Renovierung und technischen Revision startet das Musical Mozart! von Michael Kunze und Sylvester Levay, wiederum in der Regie von Harry Kupfer.

2005

Mit der letzten Vorstellung von Elisabeth am 4. Dezember endet die Musical-Ära im Theater an der Wien. Unter der Intendanz von Roland Geyer wird das Haus ab Jänner 2006 zum neuen Opernhaus der Stadt Wien.

2006

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Die feierliche Einweihung des neuen Opernhauses erfolgte am 8. Jänner 2006 mit einem Festkonzert unter der musikalischen Leitung von Plácido Domingo. Neben Kompositionen von Mozart, Beethoven und Chopin stand mit Musik für ein Fest des österreichischen Komponisten Thomas Daniel Schlee auch eine Uraufführung auf dem Programm. Mit feierlichen Ansprachen von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny wurde das Theater an der Wien als neues Opernhaus der Stadt Wien eröffnet.