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Martin van Meytens d. J., Die Familie des Grafen Nikolaus Pálffy von Erdöd, um 1760

Kombiticket für die Händel-Oper "Rinaldo" in der Kammeroper und für die "Martin van Meytens"-Ausstellung im Winterpalais des Prinzen Eugen.
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Iphigénie en Aulide et Tauride

Handlung/Fotos/Videos - NEU: Behind the Scenes

Premiere
Donnerstag, 16. Oktober 2014
19:00 bis ca. 22:00 Uhr
(Pause ca. 20:30 Uhr)

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Mo Di Mi Do Fr Sa So
Oktober 2014
16 18
21 24
27 29

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Inhalt und: Erste Einblicke hinter die Kulissen!

Krieg, Mythos der Opferung, die scheinbare Unentrinnbarkeit des Schicksals, der Fluch einer Familie und die Utopie, diesen Fluch zu überwinden: Euripides’ antike Tragödien, auf denen Glucks Opern Iphigénie en Aulide (1774) und Iphigénie en Tauride (1779) basieren, spiegeln die extremsten Gefahren unseres Missverhaltens. Der Kampf gegen Barbarei, das Ringen um Humanität innerhalb einer, wie es scheint, von einem Fluch belegten Welt, wohnen diesen Stücken inne. Aus seinen Inszenierungen beider Opern entwickelt Torsten Fischer eine Gesamtfassung, die das Schicksal der Iphigénie an einem Abend erzählt.

Diana verhindert zu Beginn des Trojanischen Kriegs die Abfahrt der griechischen Flotte unter Agamemnon nach Troja, indem sie bei Aulis eine Windstille bewirkt. Ein Orakel verkündet, dass Agamemnon seine Tochter Iphigénie der Göttin opfern muss, um die Fahrt fortsetzen zu können. Weder Achill noch Iphigénies Mutter Klytämnestra können die Hinrichtung verhindern. Iphigénie wird von Diana nach Tauris entrückt, um ihr dort als Priesterin zu dienen. Agamemnon wird nach Rückkehr aus dem Krieg von seiner Frau Klytämnestra ermordet. Iphigénies Bruder Orest rächt den Mord seines Vaters und tötet seine Mutter Klytämnestra. Um der Verfolgung durch die Erynnien zu entkommen, die den Muttermord rächen wollen, wird Orest von Apollo aufgetragen, aus Tauris eine Statue der Diana nach Athen zu holen. Mit seinem Freund Pylades reist Orest nach Tauris, wo die Einheimischen beide gefangen nehmen, um sie – wie alle Fremden – der Diana zu opfern. Die Diana-Priesterin, die das Opfer vollziehen soll, ist aber seine Schwester Iphigénie, die Orest nicht erkennt. Erst während der Opferzeremonie erlöst ein Blick in seine Augen die Atriden-Familie vom lange währenden Fluch. Die Göttin Diana selber ermöglicht Iphigénie, Orest und Pylades die Flucht vor dem Taurer-König Thoas nach Griechenland.

DER EWIGE FLUCH – und die Maschinerie des Krieges

Iphigénie am Theater an der Wien – noch einmal? Warum?
In ihrer Neuproduktion präsentieren Torsten Fischer, Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos noch einmal die Geschichte der Iphigenie, deren Vater ihr Leben für den siegreichen Krieg gegen die Trojaner opfert, und die schließlich ihrerseits von einem totalitären System zum Brudermord gezwungen werden soll. Doch diesmal verdichtet sich das Drama zur Geschichte eines einzigen, alles umfassenden Fluchs nimmer enden wollender Gewalt und Vergeltung, der vor dem Hintergrund des drohenden „dritten Weltkrieges“ (Papst Franziskus) nunmehr eine erschreckende Brisanz erhält. So zieht sich der ewige Fluch immer neuer Kriege nicht nur durch das Drama der Iphigénie, sondern gleichermaßen durch die gesamte Menschheitsgeschichte, die durch den Kreislauf der Gewalt und eine mächtige Kriegsmaschinerie immer weiter am Laufen gehalten wird.
Bezeichnenderweise besteht, wie Gerald Stotz, der Leiter des technischen Planungsbüros erklärt, der seit vielen Jahren die Produktionen des Regietrios um Torsten Fischer betreut, auch die Drehbühne, die in dieser Inszenierung erneut zum Einsatz kommt, keineswegs aus einer bloßen Drehscheibe. Vielmehr wird die Drehbühne des Theater an der Wien von einer auf 270 Tonnen geschätzten, gewaltigen zylindrischen Maschinerie getragen, die fast 10 Meter in die Tiefe reicht, wo sie, auf massiven Stahlschienen geführt, immer denselben Bahnen folgt.

DER KRIEG VERÄNDERT DIE TUGENDEN

Auf der Basis einer solchen Maschinerie scheint jede Bewegung, jeder Schritt unausweichlich vorgezeichnet, ein Teufelskreis, in dem jedes Verbrechen unweigerlich ein weiteres, noch viel größeres Verbrechen zeugt.
Doch: Muss man nicht, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, bereit sein, bestehende Systeme, und sei es mit Gewalt, zu stürzen? Kann man dem Vormarsch einer brutalen Miliz tatsächlich ohne Waffen Einhalt gebieten? Muss man nicht bereit sein, Opfer zu bringen – und sei es das eigene Leben oder das seiner Liebsten? Geraten wir nicht auch heute immer wieder in dieselbe Situation wie Agamemnon und Thoas, die sowohl für die eigene Familie wie für den Staat zu entscheiden haben, in welcher Situation es erlaubt ist, Mord als eine dem Kriegsrecht entsprechend gerechtfertigte Tötung zu sanktionieren?

„ES IST EIN MÄCHTIG DING, DAS GOLD...!“ – Die Aufteilung der modernen Welt

Worum aber dreht es sich wirklich bei all diesem Morden? Um Vergeltung, um ein Ungleichgewicht, einen schwelenden Konflikt, der sich von Generation zu Generation weiter vererbt? Um Macht? Die Macht, frei zu entscheiden – oder die Macht, zu besitzen und zu beherrschen? Das symbolträchtige Modell einer kleinen, zerschundene Kugel aus Gold, die für die Inszenierung gescannt und mit einer automatisierten Fräse – eins zu eins!, wie Gerald Stotz betont – in eine riesige (Welt-)Kugel übertragen wurde, ist ein wesentliches, neues Element dieser Inszenierung – zugleich aber wohl einer der ältesten Beweggründe der Menschheitsgeschichte…
Bei genauerer Betrachtung allerdings zeigt sich, dass trotz allem diese goldene Kugel keineswegs das Zentrum des Geschehens bildet.

MAUERN AUS BETON – keine einfache Lösung!

Vielmehr verstellen uns hohe Mauern aus Ortbeton den Blick – und selbst wenn sich die Bühne dreht, vermögen wir uns in dem labyrinthischen Szenario kaum zu orientieren. Grund dafür ist, dass die Welt, der wir uns hier konfrontiert sehen, eben kein absolutes Zentrum mehr besitzt!
Gerade dieses Fehlen einer absolut gültigen, innersten Wahrheit, einer absoluten Bezugsgröße, eines fixen Wertes, an dem alles grundsätzlich bemessen werden kann, macht uns Menschen jedoch Angst: Angst, die dazu führt, dass wir uns in einer modernen Welt, in der komplexe Probleme nicht mehr nach einfachen Mustern zu lösen sind, neue Führer suchen, denen wir die Lösung all unserer Probleme anvertrauen, an die wir aber auch zugleich die Verantwortung für unser Handeln abtreten: Indem wir sie erheben, uns von ihnen leiten lassen, werden wir zu einer uniformen, gesichtslosen Masse, die glaubt, sich letztlich zu keiner Zeit selbst die Hände schmutzig zu machen…

„LIEBEN KANNST DU MICH – UND VERABSCHEUST MICH NICHT?“ – Vision und Utopie einer Weltgemeinschaft

Wird diese Geschichte ebenso wie unsere eigene Geschichte am Ende aber nicht immer von ihrer jeweiligen Vorgeschichte beherrscht? Können wir tatsächlich ausbrechen aus einem ewigen Kreislauf – sind wir überhaupt Herr unseres eigenen Handelns, oder unweigerlich Opfer über Generationen vererbter Verwicklungen und Konflikte? Lässt sich der Kreislauf der Gewalt in unserer Welt auf irgendeine Weise durchbrechen und die Verschwisterung in einer weltweiten, auf gegenseitige Wertschätzung basierenden, stabilen, Gemeinschaft überhaupt erreichen?
Auch wenn die Kunst in unserer gegenwärtigen Welt allzu oft zu reinem Dekor verkommt, und ihr von weiten Teilen unserer Gesellschaft keinerlei weltpolitisch-existentielle Bedeutung beigemessen wird, so mag es letztlich vielleicht nur durch sie gelingen, eine Utopie in eine zukunftsweisende Vision zu verwandeln…!

Franziska Korun


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