Orchester
„MoMo & Mo(derne)“ charakterisiert den künstlerischen Schwerpunkt des Theater an der Wien: Neben Werken von Monteverdi bis Mozart liegt ein weiterer Akzent auf Werken des zeitgenössischen Musiktheaters.
Die erstklassige orchestrale Basis bilden das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, die Wiener Symphoniker, der Concentus Musicus und internationale Originalklang-Ensembles. Sie sorgen gemeinsam mit den etablierten und den kommenden Stars für exzellente Qualität von der ersten bis zur letzten Vorstellung.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Zeit reif für die Gründung eines neuen Wiener Orchesters, das einerseits populäre Orchesterkonzerte veranstalten und andererseits den bedarf an Ur- und Erstaufführungen damaliger zeitgenössischer Werke abdecken sollte. Im Oktober 1900 präsentierte sich der neue Klangkörper mit dem Namen „Wiener Concertverein“ unter Ferdinand Löwe im großen Musikvereinssaal erstmals der Öffentlichkeit.
Heute blicken die „Wiener Symphoniker“ auf eine bewegte Geschichte zurück, die sich in ihren ersten Jahrzehnten nicht zuletzt durch Uraufführungen von Meisterwerken wie Anton Bruckners neunte Symphonie, Arnold Schönbergs Gurre-Lieder, Maurice Ravels Konzert für die linke Hand und Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln auszeichnet. Konnte im Ersten Weltkrieg die Auflösung des Orchesters nur durch die Fusion mit dem 1913 gegründeten „Wiener Tonkünstlerorchester“ verhindert werden, so kam es 1944 tatsächlich zur Stilllegung.
Die Aufbauarbeit nach 1945 ist vor allem dem damaligen Chefdirigenten Hans Swarowsky sowie Josef Krips zu danken. Zuvor hatten Persönlichkeiten wie Bruno Walter, Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Oswald Kabasta, George Szell oder Hans Knappertsbusch vom Pult aus den Klangkörper entscheidend geprägt. Danach waren es die Chefdirigenten Herbert von Karajan (1950-1960) und Wolfgang Sawallisch (1960-1970), die das Klangbild des Orchesters formten In dieser Position folgten Carlo Maria Giulini und Gennadij Roshdestvenskij. Georges Prêtre bevorzugte die Bezeichnung „Erster Gastdirigent“ für seine Tätigkeit, die er bis 1991 ausübte. Danach übernahm Rafael Frühbeck de Burgos das Orchester wieder in der offiziellen Position. Als Gäste am Pult feierten Stars wie Leonard Bernstein, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Claudio Abbado oder Sergiu Celibidache vielbeachtete Erfolge. Von 1997 bis Ende 2004 war Vladimir Fedosejev Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Diese Position übernahm mit beginn der Saison 2005/2006 Fabio Luisi. Darüber hinaus bekleidet Yakov Kreizberg seit Oktober 2003 die Position des „Ersten Gastdirigenten“.
Die Wiener Symphoniker sind das Konzertorchester der Stadt Wien und damit verantwortlich für den weitaus größten Teil des symphonischen Musiklebens in der Bundeshauptstadt. Die Aktivitäten des Orchesters sind vielfältig, wobei die Verbindung der traditionellen Wiener Klangkultur mit neuen Musik- und Präsentationsformen einen zentralen Stellenwert einnimmt. Neben den traditionellen Zyklen in Musikverein und Konzerthaus, der Tourneetätigkeit und den Auftritten bei den Bregenzer Festspielen sind die Wiener Symphoniker seit Anfang 2006 eines der Hauorchester im Theater an der Wien und waren zuletzt unter Nikolaus Harnoncourt mit The Rake’s Progress zu hören.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien ging 1969 aus dem Großen Orchester des Österreichischen Rundfunks hervor und profilierte sich seitdem als eines der vielseitigsten Orchester in Österreich. Seit der Gründung des RSO liegt der Schwerpunkt des Orchesters vor allem auf der Pflege der zeitgenössischen Musik. Unter seinen Chefdirigenten Milan Horvat, Leif Segerstam, Lothar Zagrosek, Pinchas Steinberg und Dennis Russell Davies erweiterte das RSO Wien kontinuierlich sein Repertoire von der Vorklassik bis zur Avantgarde. Seit 2002 ist Bertrand de Billy Chefdirigent des RSO Wien. Neben eigenen Konzertreihen im Musikverein und dem Konzerthaus in Wien tritt das Orchester regelmäßig bei den großen Festivals im In- und Ausland auf, wobei eine besonders enge Bindung an die Salzburger Festspiele und zum KlangBogen Wien besteht. Die ausgedehnte Tourneetätigkeit des RSO Wien führte das Orchester u. a. in die USA, nach Südamerika und Asien sowie in verschiedene europäische Länder.
Zu den Gästen beim RSO zählten bislang Dirigenten wie Leonard Bernstein, Ernest Bour, Christoph von Dohnányi, Christoph Eschenbach, Michael Gielen, Hans Werner Henze, Ernst K?enek, Bruno Maderna, Krzystof Penderecki, Wolfgang Sawallisch, Guiseppe Sinopoli, Hans Swarowsky und Jeffrey Tate. Die umfangreiche Aufnahmetätigkeit des RSO Wien für den ORF und für CD-Produktionen umfasst Werke aller Genres, darunter viele Ersteinspielungen, u. a. von Vertretern der österreichischen Moderne wie Friedrich Cerha, Gottfried von Einem, HK Gruber, Joseph Matthias Hauer, Arnold Schönberg, Kurt Schwertsik und Egon Wellesz. Unter der Leitung von Bertrand de Billy entstanden Einspielungen von Mozarts Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte, Eugen d’Alberts Tiefland sowie eine CD mit französischer Orchestermusik, weiters die vierteilige Anthologie Neue Musik aus Österreich, eine Gesamtaufnahme der neun Symphonien von Egon Wellesz sowie Einspielungen von Werken Luciano Berios, Gija Kanchelis, Valentin Silvestrovs und Philipp Glass.
Im Theater an der Wien war das ORF Radio-Symphonieorchester Wien zuletzt in Luisa Fernanda, Intermezzo und Pelléas et Mélisande zu hören.
Als Originalklangensemble der ersten Stunde hat der Concentus Musicus Wien der historischen Aufführungspraxis und ihrer Erfolgsgeschichte den Weg geebnet. Gegründet wurde das Orchester 1953 von Nikolaus Harnoncourt, der das Orchester bis 1987 vom Cello aus leitete und bis heute künstlerischer Leiter ist. „Die Musik jeder Epoche kann mit den Klangmitteln ihrer Zeit am lebendigsten dargestellt werden“, lautet Harnoncourts Credo. Mehr als vier Jahre lang verbrachten die Musikerinnen und Musiker des Ensembles zunächst ausschließlich mit Probenarbeit, feilten am Klangbild und einer authentischen Interpretation barocker und vorbarocker Werke, bis sie 1957 im Wiener Palais Schwarzenberg erstmals ein Konzert gaben.
Das Ereignis fand rasch seine Fortsetzung: mit jährlichen Konzertzyklen in Wien, Gastspielreisen (ab 1960) und einer Vielzahl von Schallplatteneinspielungen – die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach markierten hier den Anfang. Zu den vielen spektakulären Projekten des Concentus Musicus Wien zählt u.a. die Gesamtaufnahme aller Bach'schen Kantaten, die zwischen 1970 und 1990 entstand und mit einem Gramophone Award ausgezeichnet wurde.
Auch mit Operneinspielungen ist das Ensemble hervorgetreten: Erwähnt seien zum Beispiel Mozarts Lucio Silla und Il rè pastore, Haydns Armida, Purcells Dido and Aeneas und The Fairy Queen oder Monteverdis L’Orfeo, außerdem zahlreiche Oratorien von Georg Friedrich Händel.
Das Repertoire des Concentus spannt sich heute von der Renaissance bis zu Haydn und Mozart, es umfasst gleichermaßen geistliche und weltliche Werke. Konzertmeister in der Nachfolge von Alice Harnoncourt ist Erich Höbarth, für den Continuo an Cembalo und Orgel sorgt Herbert Tachezi.
Zuletzt war der Concentus Musicus Wien mit Orlando paladino im Theater an der Wien zu hören.
