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Wo der Augenblick fasziniert: Das Saisonprogamm 2010/11

Die fünfte Spielzeit des Theater an der Wien bringt internationale Höhepunkte für Wien. Mit zwölf Premieren setzt das Theater an der Wien auch in der kommenden Spielzeit auf höchste künstlerische Qualität. Auf dem Cover des Programmbuchs präsentiert das Opernhaus an der Wien ein charakteristisches Symbol: ein facettenreiches Gesicht, das viele verschiedene Aspekte zeigt und für Visionen, Träume, Intuition und Kreativität steht. Diese Mannigfaltigkeit spiegelt sich auch im neuen Saisonprogramm wieder, das packendes Musiktheater von Georg Friedrich Händel, Richard Strauss, Kurt Weill, Wolfgang Amadeus Mozart, Jean-Philippe Rameau, Benjamin Britten, Francis Poulenc sowie eine europäische Erstaufführung von Daniel Catán umfasst.

Für die hohe künstlerische Qualität garantieren sowohl die Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, William Christie, René Jacobs, Bertrand de Billy, Christophe Rousset, Sian Edwards, Jesús López-Cobos und Walter Kobéra, als auch die Opernregisseure David Alden, Andreas Bode, Robert Carsen, Mariame Clément, Ron Daniels, Juliette Deschamps, Philipp Harnoncourt, Harry Kupfer und Keith Warner. Mit John Neumeier ist einer der bedeutendsten Ballett-Choreographen zu Gast.

Mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, den Wiener Symphonikern sowie dem Arnold Schoenberg Chor stehen wieder erstklassige Klangkörper zur Verfügung, die im Rahmen mehrjähriger Verträge mit dem Theater an der Wien zusammenarbeiten. Im Bereich Barockoper werden in der Saison 2010/11 renommierte Originalklang-Orchester wie Les Arts Florissants, das Freiburger Barockorchester, Les Talens Lyriques und der Concentus Musicus Wien zu hören sein. Das Klangforum Wien konnte nicht nur für eine Opernproduktion gewonnen werden, das Ensemble wird auch erstmals die Festlichen Tage alter Moderne am Theater an der Wien gestalten.

MUSIKTHEATER

Im Überblick: Das Saisonprogramm 2010/11

Georg Friedrich Händel: SEMELE
Premiere: 15. September 2010
, Kooperation mit dem Opernhaus Zürich

Eröffnet wird die Opernsaison 2010/11 mit Georg Friedrich Händels Semele. In der Titelrolle ist Cecilia Bartoli zu hören, die zuletzt 1995 in Joseph Haydns L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice (Nikolaus Harnoncourt/Jürgen Flimm) im Theater an der Wien zu erleben war.
Ursprünglich von Händel selbst als „Opera after the manner of an Oratorio“ bezeichnet, stellt eine szenische Produktion dieses Werkes eine Seltenheit dar. Semele sollte ursprünglich als Oratorium nur konzertant dargeboten werden. Der griechischen Mythologie folgend steht im Zentrum des Geschehens die sterbliche Semele, welche die heimliche Geliebte des Göttervaters Jupiters ist. Dessen rechtmäßige Gattin, die Göttin Juno, kommt jedoch dahinter und zerstört diese aus Sicht der Ehefrau unrechtmäßige Liebe. Es entstand eine seiner dichtesten Partituren: Inspiriert von William Congreves geistvoller Sprache fand Händel in der Verschmelzung der Formen des Oratoriums mit denen der italienischen Oper zu neuer Freiheit und Intensität in der Schilderung der Geschehnisse und der Charakterzeichnung.

Zur Aufführung gelangt die Inszenierung des renommierten kanadischen Regisseurs Robert Carsen, der für seine Regiearbeiten bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Der Barockspezialist William Christie musiziert mit seinem Ensemble Les Arts Florissants, welches seit über zwanzig Jahren besteht und international zu den führenden Ensembles auf Originalinstrumenten zählt. Es singt der Arnold Schoenberg Chor. Als Jupiter/Apollo ist der amerikanische Tenor Charles Workman zu hören, in den weiteren Rollen sind David Pittsinger als Cadmus, Malena Ernmann als Ino, Birgit Remmert als Juno, Matthew Shaw als Athamas und Kerstin Avemo als Iris zu sehen.

Richard Strauss: ARIADNE AUF NAXOS
Premiere: 9. Oktober 2010
, Neuproduktion des Theater an der Wien

„Die Oper in einem Vorspiel nebst einem Vorspiel“ ist eines der wienerischsten und kammermusikalischsten Werke aus der Feder des Autorenduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Ariadne auf Naxos behandelt die Doppelbödigkeit und die Grat-wanderung zwischen dem tragischen, komischen und menschlichen „Theater auf dem Theater“, in welchem der mythologische Stoff der auf der Insel Naxos verlassenen, todessehnsüchtigen Ariadne mit zeitgenössischen Themen der Kunst verwoben wird: Um sich selbst treu bleiben zu können, müssen Mensch und Kunst aneinander wandeln können.

Die Neuproduktion des Theater an der Wien bietet mit der Inszenierung der Regielegende Harry Kupfer unter der musikalischen Leitung von Bertrand de Billy und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien die Gelegenheit, das Werk aus einem analytischen und unkonventionellen Blickwinkel in einem intimeren Rahmen als gewohnt zu erleben. Hierbei sind mit international renommierten SängerInnen wie Diana Damrau (Zerbinetta), Anne Schwanewilms (Ariadne) und Johan Botha (Bacchus) Spezialisten der Strausschen Musik zu erleben.

Kurt Weill: DIE SIEBEN TODSÜNDEN
Premiere: 15. Oktober 2010,
Kooperation mit dem Théâtre des Champs-Élysées

Wer kennt sie nicht – die sieben Todsünden: Stolz, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Gefräßigkeit und Wollust. Nach Lehre der katholischen Kirche zieht die Sünde den zweiten Tod, die Höllen-Strafe nach sich, wenn man mit einer Todsünde im Herzen stirbt. Bert Brecht und Kurt Weill haben dieses religiöse Gedankengut auf eine junge schizo-phrene Frau im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den U.S.A., übertragen. Ganz der Ideologie der breiten Masse folgend, wurde sie von ihrer Familie getrieben, um materielle Güter zu besitzen und eine Todsünde nach der anderen zu begehen. Dass die junge Frau daran seelisch zu Grunde geht, wird aus Sicht der Nutznießer nicht beachtet. Das Sujet des Werkes ist tragisch aktuell geblieben, auch wenn dieses 1933 uraufgeführt wurde.

Mahagonny – Songspiel: Das stark an Amerikanismen der 1920er Jahre orientierte Werk wurde von Autor Bertold Brecht als „das Richtige für die Stunden des Reichtums, das Bewusstsein des Fleisches und die Anmaßung“ bezeichnet. Ursprünglich als Liederzyklus angelegt, erweiterten Kurt Weill und Bertold Brecht diesen und gliederten ein Werk nahezu apokalyptischer Art und Weise: Erst wird die Stadt Mahagonny, in der „alles erlaubt ist, was sonst verboten ist“ gegründet, das Leben dort etabliert. In Folge steuert die „Traumstadt des Lasters“ ihrem Niedergang unausweichlich entgegen.
Das Werk beinhaltet Songs, welche sich selbst in der Popmusik größter Beliebtheit erfreuen: Wer kennt nicht die Interpretation des Alabama-Songs durch The Doors. In diesem Gegenentwurf zum bürgerlich orientierten Wertesystem zeigt sich eine erschreckende Aktualität, die wahrscheinlich immer gültig bleiben wird.

Musikalisch wird diese Produktion von Walter Kobéra und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien gestaltet, die szenische Umsetzung stammt von der jungen französischen Regisseurin Juliette Deschamps, welche in Paris bereits Erfolge mit ihren Regiearbeiten feiern durfte. An der Spitze des Ensembles steht die vielseitige Sängerin Angelika Kirchschlager, welche zuletzt am Theater an der Wien neben vielen konzertanten Auftritten u. a. als Idamante in der Eröffnungsproduktion des Mozartjahres 2006 Idomeneo, Re di Creta zu erleben war.

Wolfgang Amadeus Mozart: LA FINTA GIARDINIERA
Premiere: 12. November 2010
, Neuproduktion des Theater an der Wien

„Nach einer jeden Aria war alzeit ein erschröckliches getös mit glatschen, und viva Maestro schreyen“, so schrieb der 18jährige Mozart glücklich nach der Premiere der finta giardiniera an seine Mutter nach Salzburg. Er hatte seinen Auftrag, für den Münchner Karneval eine komische Oper zu schreiben, bravourös erfüllt. Nach dem Anfangserfolg aber verschwand die Oper in ihrer italienischen Urfassung von der Bühne, bis weit ins 20. Jahrhundert spielte man nur entstellende Bearbeitungen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass in diesem Jugendwerk, einer scheinbar leichten Rokoko-Komödie, bereits der Kern von Mozarts ganzer dramatischer Kunst zu entdecken ist.

Die vermeintlich von ihrem Liebhaber Belfiore getötete Sandrina hat sich gemeinsam mit ihrem Diener Nardo in die Dienste des Podesta begeben, um ihre Liebe zu vergessen. Plötzlich taucht jedoch ihr Liebhaber auf und die Wirren nehmen ihren Anfang…
Ein sehr farbenprächtiges Figuren- und Musikgefüge aus Heiterem und Tragischem - es handelt sich um eine Opera semiseria (halbernste Oper) - macht dieses Werk zu dem was es ist: Ein Vorbote, der, obwohl aus der barocken Tradition kommend, klassischen Meisterwerken wie Le nozze di Figaro, Cosi fan tutte oder Don Giovanni den Weg ebnet.

Auf der Bühne steht ein junges Sängerensemble, allen voran sei auf Sophie Karthäuser (Sandrina), Topi Lehtipuu (Belfiore) sowie Alexandrina Pendatchanska (Armida) verwiesen. Musikalisch werden die Sänger von René Jacobs und dem Freiburger Barockorchester begleitet, welche bereits mehrfach ihre sehr eigenständige und spannende Sicht auf Mozart unter Beweis gestellt haben. Die Inszenierung der Neuproduktion hat David Alden inne, der in den neunziger Jahren in München die glanzvolle Renaissance der in Vergessenheit geratenen Barockoper stark mitprägte.

Daniel Catán: IL POSTINO
Premiere: 9. Dezember 2010
, Europäische Erstaufführung
Koproduktion mit der Los Angeles Opera (Uraufführung am 23. September 2010)

„In jedem steckt ein Poet, solange er nur das Herz sprechen lässt.“ Die europäische Erstaufführung des Stoffes, welcher ursprünglich als Oscar nominierter Film höchst erfolgreich war, steht ganz im Zeichen von Annäherung und Entfernung. Auf der Insel Salina in den 1950er Jahren angesiedelt, lebt der Nobelpreisträger und Dichter Pablo Neruda mit seiner Frau im Exil und wird von den Briefen seiner Anhänger nahezu überrollt. Der schüchterne Fischer Mario Ruoppolo wird als Privat-Briefträger für Neruda engagiert, um die tägliche Post, darunter unzählige Liebesbriefe zu bringen. Zwischen den ungleichen Männern entwickelt sich langsam eine tiefe Freundschaft. Angespornt von Nerudas Erfolg bei Frauen beginnt Mario, dessen Gedichte zu lesen und sich von ihm die Liebe zur Dichtung vermitteln zu lassen. Mario fasst schließlich den Mut, mit Nerudas Worten, die er als seine eigenen ausgibt, um die unnahbare Beatrice zu werben. Es gelingt ihm, sie für sich zu gewinnen. Sie feiern Hochzeit, wobei Neruda als Trauzeuge fungiert. Gleichzeitig erhält der Exilant die Nachricht, wieder in seine Heimat zurückkehren zu dürfen. Nach Jahren kehrt Neruda zu einem Besuch auf die Insel zurück…

Diese Oper des mexikanischen Komponisten Daniel Catán wird am Theater an der Wien unter dem Dirigenten Jesús López-Cobos mit Plácido Domingo (Pablo Neruda) und Israel Lozano (Mario Ruoppolo) ihre europäische Erstaufführung in spanischer Sprache erleben. Der erfahrene Mann und sein Schüler, die Macht der Poesie - nahezu aus dem Leben gegriffen scheint die Besetzung für die Bühne: War Israel Lozano doch Preisträger des von Plácido Domingo ins Leben gerufenen „Operalia“-Gesangswettbewerbes. Die Inszenierung stammt von Ron Daniels, der in den U.S.A. zu den gefragtesten Regisseuren zählt.

Jean-Philippe Rameau: CASTOR ET POLLUX
Premiere: 20. Jänner 2011
, Neuproduktion des Theater an der Wien

Als „Nachfolger“ von Jean Baptiste Lully, der spätestens seit dem Film „Le roi danse“ dem breiten Publikum ein Begriff ist, hat Jean Philippe Rameau die französische Barockoper weiterentwickelt. Nachdem er sich vor allem als Musiktheoretiker, Organist und Komponist von Instrumentalmusik, Grands Motets und weltlichen Solokantaten einen Namen gemacht hatte, schrieb er 50-jährig seine erste Oper, welcher in den folgenden zwei Jahrzehnten rund 30 Bühnenkompositionen folgten. Castor et Pollux war seine zweite Oper und gelangte im Jahre 1737 zur Uraufführung. Am Theater an der Wien wird die zweite Fassung aus dem Jahr 1754 aufgeführt.
Trotz der in junger Vergangenheit in die Spielpläne aufgenommenen Barockopern sind Aufführungen französischer Werke immer noch eine Seltenheit. Mit Castor et Pollux ist nun erstmals eine szenische Produktion eines Werkes von Jean-Philippe Rameau, einer tragedié en musique, an der Wienzeile zu erleben.

Im Zentrum dieses Werkes steht die Geschichte der Brüder Castor und Pollux, welche aufgrund von Liebesbeziehungen zu einer jungen Frau, Télaíre, auf die Probe gestellt werden. Castor und Télaíre verlieben sich ineinander, die junge Frau ist jedoch bereits mit Pollux verlobt. Als Pollux die Gefühle seines Bruders für Télaíre entdeckt, verzichtet er brüderlich großmütig auf die Ehe mit ihr. Sein Rivale Lyncaeus versucht bei der Hochzeitsfeier Télaíre zu entführen. Im anschließenden Kampf wird Castor getötet. Sparta liegt wie auch Phébé, Télaíres Schwester, die diesen ebenfalls liebt, in Trauer um den ermordeten Castor. Die außergewöhnliche Frau setzt alles daran, Castor aus dem Hades zurück in die Welt der Lebenden zu holen, wenn ihre Schwester sich bereit erklärt, auf dessen Liebe zu verzichten. Nachdem Pollux den Brudermörder Lyncaeus im Kampf besiegt hat, verspricht er, seinen Vater Jupiter anrufend, Castor ins Leben zurück-zuführen. Die Tragödie zwischen Elysium, Olymp und Hades nimmt ihren Lauf.

Das Essentielle der französischen Barockoper, die unbedingte Einheit von Wort, Inhalt, Musik und szenischer Visualisierung, setzt die junge Regisseurin Mariame Clément mit dem arrivierten französischen Barockspezialisten Christophe Rousset und dessen Ensemble Les Talens Lyriques um. Neben der bereits seit Jahren in einem sehr breiten Repertoire gefeierten Anne Sofie von Otter (Phébé) werden junge aufstrebende Talente wie Maxim Mironov (Castor), Luca Pisaroni (Pollux) und Kristiane Karg (Télaire) sowie der Arnold Schoenberg Chor zu erleben sein.

Benjamin Britten: THE RAPE OF LUCRETIA
Premiere: 17. Februar 2011
, Neuproduktion des Theater an der Wien

Benjamin Brittens erste Kammeroper setzt den in der Saison 2009/10 begonnenen Britten-Zyklus fort. Dem Werk liegt ein Mythos zugrunde, der sich um die schöne und tugendhafte Lucretia dreht, welche die Gattin des römischen Generals Collatinus ist. Dieser diskutiert während eines Feldzuges gegen die Griechen mit anderen Generälen die Treue der Ehefrauen. Nachdem einstimmig Lucretia als treueste Frau gepriesen wird, beschließt Tarquinius, diese Standhaftigkeit auf die Probe zu stellen. Nachdem sich Lucretia nicht durch Verführungskünste verleiten lässt, ihrem Mann untreu zu werden, vergewaltigt er sie, um bestätigt zu sehen, dass die unbrechbare Treue nicht existiert. Die Idealfrau Lucretia zerbricht…
Britten lässt diese archaische Geschichte von zwei Erzählern aus christlicher Sicht kommentieren und schafft in seiner Klangwelt des zwanzigsten Jahrhunderts eine atmosphärische Verbindungslinie zum Barockkomponisten Henry Purcell sowie eine direkte Reflexion auf die Handlung.

In der Titelrolle der Lucretia kehrt die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager an die Wienzeile zurück. Sian Edwards wird diese Neuproduktion musikalische leiten, nachdem sie 2007 erfolgreich mit Jake Heggie’s Dead man walking am Theater an der Wien debütierte. Die Inszenierung liegt in den bewährten Händen von Keith Warner, der am Theater an der Wien bereits mehrere Werke überaus erfolgreich inszeniert hat, u.a. Blochs Macbeth, Mozarts Don Giovanni, Haydns Orlando Paladino oder Janaceks Katja Kabanova.

Georg Friedrich Händel: RODELINDA
Premiere: 20. März 2011
, Neuproduktion des Theater an der Wien

Werke von Georg Friedrich Händel sind am Theater an der Wien bereits fixe Publikums-magneten, begonnen bei Ariodante, Giulio Cesare in Egitto und den Erfolgen der Saison 2008/09 von Partenope und der szenischen Interpretation des Messiah.
Mit Rodelinda zeigt das Theater an der Wien eines der von Musikwissenschaftern als
„eines der Perfektesten“ seiner Werke, das einerseits zwar noch den formalen Konventionen der Epoche gerecht wird, jedoch eine ausnehmend emotionale und psychologisierende Charakterzeichnung der einzelnen Figuren auf die Bühne bringt. Die textliche Grundlage des Librettos von Nicolas Haym für Rodelinda basiert ursprünglich auf keinem geringeren als dem Schriftsteller Pierre Corneille.

Nikolaus Harnoncourt, einer der Pioniere in seiner Arbeit für die Alte Musik, leitet bei dieser in Wien noch nie szenisch gespielten Oper den Concentus musicus. Philipp Harnoncourt, der bereits im Mozartjahr 2006 mit der Inszenierung von Die Schuldigkeit des ersten Gebots mit einer Regiearbeit am Theater an der Wien vertreten war, gestaltet die szenische Umsetzung. Die Besetzung weist Sängerdarsteller auf, die dem Publikum des Theater an der Wien bereits bestens bekannt sind: in der Titelpartie der Rodelinda kehrt Danielle de Niese, zuletzt als Ginevra in Händels Ariodante zu hören, an der Wien zurück, als Thronräuber Grimaldo ist der im September 2009 in Death in Venice Maßstäbe setzende Tenor Kurt Streit sowie als tot geglaubter Bertarido der Countertenor Bejun Mehta zu erleben, der in Orfeo ed Euridice für seine durch-drungene Darstellung gefeiert wurde.

Francis Poulenc: DIALOGUES DES CARMÉLITES
Premiere: 16. April 2011
, Wiederaufnahme

Es ist ein ungewöhnlicher Opernstoff, den sich der französische Komponist Francis Poulenc 1953 mit dem Schauspiel Dialogues des Carmélites von Georges Bernanos vorgenommen hat: Die von Panikattacken geplagte Blanche, eine Tochter aus gutem Haus, tritt während der Französischen Revolution in den Orden der Karmeliterinnen ein und überwindet schließlich ihre Angst im Tod. Poulenc hat zu der ihn existenziell berührenden Vorlage äußerst raffinierte und doch unmittelbar eingängige Musik geschrieben.
Nach der überwältigend erfolgreichen Aufführungsserie 2008 ist Robert Carsens klare, eindringliche Inszenierung erneut im Theater an der Wien zu sehen. Bertrand de Billy, der mit seinen Interpretationen französischer Opernwerke von Gounods Faust über Massenets Werther bis hin zu Debussys Pelléas et Mélisande vielfach reüssierte, zeichnet auch bei der Wiederaufnahme für die musikalische Leitung verantwortlich. Es spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, es singt der Arnold Schoenberg Chor.

Erstmals singt die französische Ausnahmedarstellerin Patricia Petibon die Rolle der Blanche und die für ihre Wagner- und Straussrollen international bekannte Sopranistin Deborah Polaski die Charakterrolle der Madame de Croissy.

John Neumeier: ORPHEUS (Ballett)
Premiere: 5. Mai 2011
, Gastspiel des Hamburg Ballett

John Neumeier und sein Hamburg Ballett sind am Theater an der Wien regelmäßig zu Gast und begeistern mit tänzerischer Brillanz und außergewöhnlicher Ästhetik.

Meine Geschichte von Orpheus spielt im Heute. Apollo ist sein Vater, Kalliope seine Mutter. Orpheus aber ist ein Mensch, ein Künstler, ein Geiger – ein Tänzer. Seine Berufung liegt in der Schönheit seiner Kunst. Die zufällige Begegnung mit Eurydike verändert sein Leben. Der Zufall beeinträchtigt Orpheus' Berufung, macht diese tiefer und existentieller. Er verliert seine große Liebe. Die Liebe führt ihn dahin, woher noch nie ein Lebender zurückkehrte. Er will Eurydike zurückholen. Doch weil er ein Mensch ist, scheitert er. (John Neumeier)
Ein erstaunliches Spektrum von Musik hat John Neumeier für sein neues Ballett, das im Dezember 2009 an der Hamburgischen Staatsoper zur Premiere gelangte, ausgewählt: Igor Strawinskis stupendes Apollon Musagète erfährt eine choreografische Neudeutung innerhalb von Orpheus’ jugendlicher Entwicklung, später erklingen Teile von Strawinskis Orpheus-Komposition. Dem sind zeitgenössische Klänge von Peter Blegvad und Andy Partridge aus Orpheus the Lowdown während der Trauer um Eurydike entgegenge-
setzt. Eine Entdeckung gibt dem musikalischen Kosmos besonderes Profil und Sinnfälligkeit: Zwei Stücke aus Heinrich Ignaz Franz Bibers Rosenkranz-Sonaten bewirken in den Unterwelt-Szenen konsequent den Eindruck, als setze die Zeit aus. Zu diesen ungewöhnlichen, überraschenden Klangkombinationen gelingt Neumeier erneut eine Choreografie und Inszenierung von bezwingender ästhetischer Klarheit.
Unter der musikalischen Leitung von Stefan Vladar spielt das Wiener Kammer-Orchester.