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OsterKlang ´14

© Armin Bardel

Vom 13. bis 20. April 2014
Programm

Theater an der Wien-Produktionen auf DVD im
Shop

"Wenn ich sein Antlitz sehe"

Programm (inkl. Videotrailer)

Donnerstag, 16. Dezember 2010
19:30 bis ca. 20.40 Uhr
(keine Pause)

  1. 16.12.2010
  2. 19:30

Programm

Weitere Informationen:

Der Schubert’sche Schwanengesang ist ein Zyklus ohne konkrete Handlung. Betrachtet man die einzelnen Liedtexte für sich, so wirken sie sehr verschieden, sie scheinen zum Teil ohne Beziehung zueinander zu stehen. Es ist die Musik, die diese Gedichtfolge zum Zyklus verbindet. Seine innere Dramaturgie ergibt sich aus einer Schlüssigkeit im Spannungsverlauf, die das Werk zu einem geschlossenen Ganzen werden lässt.
Der Interpret dieses Zyklus’ ist darauf angewiesen, den dargestellten Charakter selbst zu (er-)finden.
„Dabei folge ich der Vorgabe der Musik“, so der Bariton Dietrich Henschel. „Jedes der Lieder, die vielleicht den Gipfelpunkt der Schubert’schen Psychologisierungskunst darstellen, ergibt eine Facette in einem Persönlichkeitsbild. Es gilt, das Mosaik der Einzelteile zu einer verbindlichen Figur zu vereinen. Dies ist eine theatralische Aufgabe.“

Charakterbild und Handlungsrahmen der Inszenierung
Inspiriert von einem Meisterwerk der Literatur des 20sten Jahrhunderts, dem Roman Pedro Paramo“ von Juan Rulfo, verbindet Henschel das Mosaik von Schuberts Schwanengesang mit Rulfos Technik der verschiedenen Zeit-, Personen- und Ortsebenen, die allesamt nahezu eins zu eins mit der Bilderwelt des Schwanengesangs korrespondieren. Die Vielfalt der surrealen Elemente lässt einen höchst realistischen Gesamtcharakter entstehen.
Der Protagonist des Zyklus erzählt eine Geschichte. Er erzählt sie, er führt sie vor, er ruft sie ins Gedächtnis und verliert sich in ihr. Es ist die Beziehung zu seiner Mutter, die ihn beschäftigt. Von ihr auf die Suche nach seiner und ihrer Lebensgeschichte geschickt, begegnet er den Schatten seiner Vergangenheit, tritt in Kontakt und verschmilzt mit ihnen.
Der Liederabend „Dietrich Henschel – Schwanengesang“ setzt hierfür das Medium Film ein, um die Ebenen des Surrealen und des Realen miteinander zu verschränken und um die Symbolgewalt von Naturbildern in die Inszenierung einzubringen. Auf diesem Wege werden auch die schnellen Wechsel der Szenerien ermöglicht, die integraler Bestandteil der Geschichte sind.

Hintergrund zu Schuberts Schwanengesang
Der Schwanengesang ist eine Sammlung von Liedern des Komponisten Franz Schubert (1797–1828), seine letzte größere Komposition, die postum veröffentlicht wurde und den Namen Schwanengesang erhielt – traditionell die Bezeichnung für das letzte Werk eines Künstlers.

Pressestimmen

...Worte und Bilder verdichten sich in den seelischen Protokollen der Musik und zeichnen die Geschichte einer Mannwerdung: Die Suche nach dem Vater, die Loslösung von der Mutter, die Transformation der Liebe von der Schwärmerei bis zur Verzweiflung. Der Abend ist faszinierend durch seine in- und gegeneinander spielenden Ausdrucksebenen; wer die Lieder gut zu kennen glaubt, wird sie in dieser Produktion wieder als rätselhaft empfinden. Das berühmte "Leise flehen meine Lieder" etwa ist kein gitarrenbegleitetes Ständchen in milder Sommernacht, sondern ein verzweifelter Ruf aus regennasser Gosse. Im Vortrag von Dietrich Henschel und seinem präzisen, farbenreich kontrapunktierenden Klavierbegleiter Franz Schwinghammer sind insbesondere die Heine-Lieder, konzentrierter Inbegriff des Schubertschen Weltschmerzes, von bedrückender Intensität. Wenn sich die Spannungen nach dem "Doppelgänger" in der "Taubenpost" lösen, die Henschel leichthin als letztes Wort ans Publikum richtet, atmet man auch als Zuschauer auf. Die extremen Gefühle sind nun als "Sehnsucht" Teil der Persönlichkeit geworden, die Geschichte hat kein glückliches, aber ein gutes Ende gefunden. Wir haben mit dem Sänger-Ich einen weiten Weg zurückgelegt.
Peter Uehling, Berliner Zeitung

...Zusammen mit der Regisseurin Clara Pons und dem Pianisten Fritz Schwinghammer stellte der große Charakterdarsteller unter den deutschen Baritonen seine Version des „Schwanengesangs“ von Franz Schubert vor. Den Zyklus, der keine klare Handlung erzählt, verbinden Henschel und Pons mit Juan Rulfos Roman „Pedro Páramo“, der in Textfragmenten sowie Film- und Fotoeinblendungen auf dem Eisernen Vorhang mehr beschworen als erzählt wird. Doch die Handlungsfragmente und die sprachlichen wie filmischen Bilder ergeben weder ein episches noch dramatisches Ganzes, sondern gehen nur selten und eher zufällig intensivere Verbindungen ein. Was den Abend vor der Beliebigkeit bewahrt, sind allein Henschels physische, stimmliche und emotionale Präsenz sowie die provozierende, aber bedenkenswerte Konsequenz, mit der er den Schwanengesang zu einer zweiten Winterreise umdeutet: Eisige Winde in einer Fülle von differenzierten Klangfarben durchwehen die Naturbilder, während das berühmte „Ständchen“ zur erotischen Fantasie eines Einsamen wird, der sich zu den Silbertönen ans Gemächt greift.
Carsten Niemann, Tagesspiegel

E i n m a l i g - Es ist natürlich misslich, dem Leser von Bühnenkritiken von Aufführungen zu berichten, die er nicht mehr sehen kann, weil sie nur einmal gegeben wurden, einmalig. Dabei gilt in diesem Falle der Doppelsinn von einmalig – denn wovon hier die Rede sein wird ist ein ganz und gar einzigartiger, herausragender, eben im Vergleich mit so vielen Angeboten des Genres einmaliger Liederabend, gewidmet dem posthumen Schubert-Zyklus „Schwanengesang“. Zu erleben war er in einer Art Sondervorstellung in der Komischen Oper, angekündigt als „Dialog für einen Darsteller“, nämlich den - berliner Opernfreunden nicht unbekannten - Bariton Dietrich Henschel, und inszeniert von der jungen belgischen Künstlerin Clara Pons. Inszeniert ist wörtlich zu nehmen. Die beiden hatten den Roman das großen Mexikanischen Schriftstellers Juan Rulfo „Pedro Párano“ entdeckt, ein kleines Meisterwerk der Träume, Doppelbödigkeit, Friedhofsgespräche über Tod und Endlichkeit, den „Roman der Angst“ (Fuentes), gemalt in schwarzen und grauen Bildsprachen: Eine Welt des Unheimlichen, der Unbehaustheit, eine „Winterreise“ in die glühend heißt karge Wüstenlandschaft eines zerfallenen Dorfes. In dieser Welt erkannten sie den Geist von Schuberts Nachtwelt wieder und montierten daraus Zwischentexte zu dessen letztem Liederzyklus. Dank eines großflächigen Video-Bühnenbildes mit andeutungsvoll verschwommenen Landschaftsmotiven, dank der expressiven, den Bühnenraum in seiner ganzen Breite und Tiefe bespielenden psychodramatischen Selbstdarstellung des Liedersängers, dank einer kongenialen Klavierbegleitung (Fritz Schwinghammer) und nicht zuletzt dank einer dramaturgisch eingesetzten Lichtregie erhielten die Schubert-Lieder eine Intensität, Ausdruckskraft und Tiefendimension, wie sie in konventionellen Liederabenden kaum zu erleben und zu erfahren sind. Der düstere „Doppelgänger“ geht am Schluß wahrhaft unter die Haut – und dann wird es plötzlich wie ein Sonnenaufgang hell im Saal für das freundlich-optimistische Lied „Die Taubenpost“.
Man mag nicht alle Texte ganz verstehen – aber das zählt nicht: Man versteht auf jener tieferen Ebene, auf die es ankommt, alles. Und man kann als Ersatz für den verpassten einmaligen Abend, den ebenso kurzen wie bedeutungsreichen Roman Rulfos mit Gewinn für diese Schubert’sche Musik lesen: Die CD-Aufnahme des „Schwanengesangs“ mit den beiden Künstlern ist soeben erschienen.
Ekkehart Krippendorff, für Neues Deutschland