Behind the Scenes

Hinter den Kulissen

A look behind the scenes

A look behind the scenes

Im Zuge der Jugend an der Wien-Projekte haben die Schülerinnen und Schüler natürlich auch die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Opernhauses zu werfen. Abgesehen von Zuschauerraum und Bühne gibt es noch einiges zu sehen. Wer weiß, wie hier Tischler, Architektinnen, Dramaturgen, Sängerinnen und viele andere Berufsgruppen direkt nebeneinander arbeiten? Die Führungen macht Philipp Wagner, der junge Historiker des Hauses.


DER WEG DURCH EIN UNBERECHENBARES HAUS
Eine Führung im Zuge des Projekts zu The Rake’s Progress

Leichtfüßig springt Philipp Wagner die Treppen runter und dreht seine gewohnte Runde durchs Haus, bevor es losgeht. „Alles klar, Gabi?“ fragt er Gabriela Kammerer, eine der Maskenbildnerinnen, und läuft weiter, vom Garderobengang auf die Bühne. „Wo darf ich heute hin, Vroni?“ Veronika Leitl, technische Produktionsleiterin, ist immer eine gute Ansprechperson ‐ was die Bühne betrifft, weiß sie so gut wie alles. Doch während der Proben zu The Rake’s Progress hilft das Philipp auch nicht weiter, er fürchtet schon die Antwort: Bühne und Zuschauerraum heute nicht, die Proben laufen noch... „Leider, leider…“, denkt er für sich, „ein Theater ist kein Museum…“.

Selten lassen sich Führungen zwischen zwei Proben ideal unterbringen, und gerade in den letzten zwei Wochen vor einer Premiere, in denen die Schulen im Theater an der Wien zu Gast sind, ist die denkbar ungünstigste Zeit… Proben verschieben sich, werden eingeschoben oder verzögern sich ‐ ganz genau weiß man das nie. Nichts desto trotz versucht Philipp, der Guide im Theater an der Wien, immer eine Möglichkeit zu finden, die SchülerInnen doch noch durchs Haus zu führen. „Doris!“ kommt es ihm in den Sinn und er macht sich auf den Weg zum Bühnenausgang. Doris Maria Aigner ist die Leiterin der Kostümabteilung und seit sie mit ihrem Team in die neuen Räumlichkeiten in der Lehárgasse gezogen ist, eignet sich die Abteilung super für Führungen. Auf Grund des Stagione-Betriebs (jeden Monat eine Premiere, die Opern werden jeweils nur ein paar Mal aufgeführt, dafür immer in Originalbesetzung) gibt es zwar keinen großen Fundus, aber die Mädels dort drüben finden immer etwas Interessantes zum Herzeigen.

Philipp jedenfalls hat die Führung noch gerettet, ermöglicht schlussendlich allen Schulklassen eine individuelle und interessante Reise durch und um das Haus. Zu erzählen hat er immer was ‐ schließlich ruhen zweihundert und sieben Jahre auf dem Theater. Meist räumt er am Anfang der Führung gleich mit dem Papageno-Mozart-Zauberflöten-Mythos auf. Denn auch wenn das Papageno-Tor so heißt und Emanuel Schikaneder das Haus mit den Einnahmen der Zauberflöte mitfinanziert hatte ‐ Mozart selbst war niemals im Theater an der Wien, er starb 1791, zehn Jahre vor der Eröffnung. Beethoven hingegen hat tatsächlich im Haus gewohnt und gearbeitet, viele seiner Werke wurden hier uraufgeführt.

Trotz immer gleicher Geschichte und Geschichten gleicht keine Führung der anderen: Zum einen ist das Haus ‐ wie gehabt ‐ unberechenbar, und die Abteilungen sind immer anders besetzt. Zum anderen lässt sich das ganze Programm ‐ Vorderhaus, Hinterhaus, Papagenotor, Gardarobengang, Maske, Kostümabteilung, Zuschauerraum, Kaiserloge, Ränge, Bühne, Unterbühne, Hinterbühne, Schnürboden, Inspizientenpult etc. ‐ in einer Führung gar nicht unterbringen. Außerdem sind die Fragen jedes Mal andere, die Interessen sind unterschiedlich. Und auch Philipp Wagner, der verlässliche Guide, ist nicht jeden Tag der selbe...

Catherine Leiter