Opera in Context

Youth talk

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OPER IM KONTEXT

Oper und Musiktheater stehen nicht alleine auf weiter Flur ‐ sie sind Teil eines größeren Kontextes und Teil des gesellschaftlichen, politischen und sozialen Lebens. Staubig, spießig und steif? Das war vielleicht einmal! Das Konzept von Jugend an der Wien ist, Oper vielfältig zu erleben und zu überlegen, was die Themen mit uns und unserem Leben zu tun haben.

Aus diesem Grund werden neben der konkreten Produktion auch die dahinter stehenden verwandten Themen interdisziplinär bearbeitet. Unterschiedliche Expertinnen und Experten begleiten unsere Opernprojekte und diskutieren mit den Jugendlichen darüber.

Schirmherr UDO JESIONEK

Udo Jesionek

Udo Jesionek

Der Richter und ein Verbrechen in jeder Oper

Er ist Präsident und Mitbegründer der Verbrechensopferhilfeorganisation Weisser Ring, Präsident des ehemaligen Jugendgerichtshofs Wien, Honorarprofessor für Jugendstrafrecht und Strafvollzug und eine gefragte Stimme in verschiedenen juristischen Belangen ‐ Udo Jesionek, der Werkzeugmacher aus Berlin, hat es weit gebracht in Österreich. Trotzdem wirkt er bescheiden, bereit, sich Kritik anzuhören, und offen für alle Fragen und Anliegen. In seiner Freizeit geht er am liebsten in die Oper.

Als Richter hatte Udo Jesionek Dieter Böhmdorfer, den damaligen FPÖ-Anwalt, einmal aus seinem Verhandlungssaal geschmissen. Er hatte dessen cholerische und überhebliche Art, mit der er auf seinen Gegner losgegangen war, nicht ausgehalten. Ein Vorbild für die Jugend? Man könnte sagen ‐ ja. Von Stillschweigen und Schlucken hält er nicht viel, dafür umso mehr von Hinterfragen, höflichem Umgang und Flexibilität. Die Abschlussdiskussion des Projektes zu The Rake‘s Progress, bei der er mit am Podium saß, hielt er gruppendynamisch auf Grund der großen Publikumszahl für schwierig und doch für eine gute Möglichkeit, SchülerInnen für derartige Themen zu gewinnen ‐ in diesem Fall über den Umweg der Oper. In Zeiten des Turbokapitalismus und des völligen Egoismus spiegelten die Jugendlichen die Gesellschaft wider, sagt Jesionek. „Aber sie sind nicht dumm, im Gegenteil, Jugendliche sind sehr empfänglich, sie sind bereit aufzusaugen, kritisch zu sein, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Wichtig ist, dass sie eine breite Information kriegen und sich ihre Meinung selbst bilden.“

ZeitzeugInnen, sagt Jesionek, seien immer eine gute Möglichkeit, Entwicklungen, Folgen und mögliche aktuelle Probleme aufzuzeigen. „Echte Zeugen“ und Betroffene faszinieren mehr als Theorien ‐ so wie Raul Kalterer, der ehemalige Drogensüchtige in der Abschlussdiskussion. Ob man einen Menschen wirklich ändern kann, weiß Udo Jesionek nicht. Aber man könne immer versuchen, ihn zu konfrontieren ‐ mit allem Möglichen. „Das über Opern zu machen, ist auf jeden Fall ein durchaus tauglicher und guter Weg“, meint der Professor, „oder gibt es vielleicht ein Opernstück, in dem kein Verbrechen vorkommt? Opernliteratur und die Literatur generell leben von menschlichen Schwächen und letztendlich von dem, was wir Kriminalität nennen. Oper eignet sich als Ansatzpunkt, darüber nachzudenken; in jeder Oper steckt was drinnen.“

Udo Jesionek hat die Jugend an der Wien mit seinem Wesen und mit Witz, Wissen und Erfahrung bereits im Projekt zu The Rake’s Progress für sich zu gewinnen gewusst und zum Nachdenken gebracht ‐ seit Anfang 2009 hat er die Schirmherrschaft für die Jugendprojekte inne und verbindet seine Leidenschaft für Oper damit weiterhin mit der für die Jugend.