Peter Grimes 1280x640 © Monika Rittershaus

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Benjamin Britten floh 1939 mit seinem Lebenspartner, dem Tenor Peter Pears, vor  dem drohenden Krieg, einer Ausbreitung des Nationalsozialistischen Regimes und vielleicht auch vor der bürgerlichen Enge in England nach Amerika. Sie ließen sich in New York nieder und hofften auf Freiheit von Gewalt und auf Toleranz gegenüber ihrer Homosexualität, die dort zumindest in Künstlerkreisen offener gelebt werden konnte als in Europa. In dieser Zeit bekam Britten George Crabbes (1754-1832)  Versroman The Borough (1810) in die Hände. Darin werden die Einwohner eines kleinen Fischerdorfes in Suffolk geschildert – Britten stammte aus der gleichen Gegend. Bei der Lektüre entwickelte der Komponist schnell die Idee, aus der Geschichte des Fischers Peter Grimes eine Oper zu machen, und außerdem erwachte in ihm großes Heimweh sowie die Sorge um Freunde und Familie zu Hause. Deshalb fuhren Pears und Britten 1942 mitten im Krieg wieder zurück nach England. Brittens erste große Oper Peter Grimes ist somit Ausdruck sehr privater Themen: der Sehnsucht nach seiner Heimat, nach den englischen Städten am Meer und dem Außenseitergefühl als ein zu Heimlichkeit gezwungener Homosexueller. In England wurde Homosexualität erst 1967 entkriminalisiert. Der Schriftsteller Charles Montagu Slater adaptierte die Grimes-Episode aus The Borough  als Libretto, Britten komponierte 1944/45 die  Musik. Die ambivalente Titelpartie des innerlich zerrissenen Fischers gestaltete er genau für die Fähigkeiten von Peter Pears’ Stimme. Am 7. Juni 1945 fand die Uraufführung im Sadler’s Wells Theatre in London mit überwältigen- dem Erfolg statt. Die Dorfgemeinschaft, das Meer, die seelischen Nöte des mit sich selbst und seiner Umwelt in stetem Missverständnis lebenden Grimes sind von Britten prägnant und mitreißend geschildert. Die mit einem Opera Award ausgezeichnete Inszenierung von Christof Loy spürt dem von Britten angedeuteten Außenseitertum von Grimes als Homosexuellem in einer konservativen Gemeinschaft genau nach. Die Inszenierung aus der Saison 2015/16 zeigen wir als Neuein - studierung auf Wunsch unseres Publikums, das sie als eine der drei besten Theater an der Wien-Produktionen auswählte.