Jenufa 1280x680 © Franz Schwarzinger

Zum Werk

Leoš Janáček war schon 62 Jahr alt, als er breite Anerkennung als Komponist erfuhr. Seinen späten Erfolg hatte er dem Schriftsteller, Theaterund Musikkritiker Max Brod zu verdanken, der 1916 am Prager Nationaltheater seine Oper Její pastorkyňa (Ihre Ziehtochter) sah und sich fortan für ihn einsetzte. Das Libretto erarbeitete Janáček auf Basis des gleichnamigen Schauspiels von Gabriela Preissová. Nach ersten Arbeiten in den Jahren 1894/95 und längerer Unterbrechung beendete Janáček seine dritte Oper 1903. Erfolglos versuchte er, sein neues Werk in Prag unterzubringen. Die Uraufführung fand 1904 in Brünn statt, für weitere Aufführungen musste Janáček noch Überarbeitungen vornehmen: Er bemühte sich erneut um eine Aufführung in Prag, was schließlich – angeblich durch Vermittlung von Freunden – 1916 glückte, allerdings unter der Bedingung, dass Karel Kovařovic, Direktor des Nationaltheaters, das Werk einer sorgfältigen Revision unterziehen würde. Jenůfas trauriges Leben, das aufgrund ihres getöteten Kindes sogar tragisch wird, findet in einem kleinen Dorf mit komplexen Strukturen statt: Zentrum dieser Verwicklungen ist die Dorfmühle, in der die alte Burya mit ihren Enkeln, den Stiefbrüdern Števa und Laca, ihrer Schwiegertochter, der Küsterin, und deren Ziehtochter Jenůfa lebt. Die engen familiären Beziehungen der handelnden Personen zueinander befeuern deren Emotionalität; das zeigt sich sowohl an Lacas Eifersuchtsausbruch, als auch an der Entscheidung der Küsterin, ihre Notlüge wahr zu machen und Jenůfas Kind zu töten. Die sehr rigiden Wert- und Moralvorstellungen der Dorfgemeinschaft tun ihr Übriges – eine Flucht aus diesen Strukturen ist nicht vorgesehen. Její pastorkyňa ist eine Tragödie voll von expressiver Musik, die Janáček teils durch repetitive Strukturen, deren Verzerrung und Steigerung erreicht. Als herausragend gilt Janáčeks musikalische Ausformung der tschechischen Sprache. Das wiederum erschwerte Aufführungen in anderen Sprachen. Für die deutschsprachige Erstaufführung an der Wiener Hofoper verfasste Max Brod eine deutsche Übersetzung, und Janáček   modifizierte Teile der Gesangspartien. Auch unter einem neuen – international tauglichen – Titel wurde die Aufführung ein großer Erfolg und aus Její pastorkyňa  wurde in Wien schließlich: Jenůfa.