Rappresentatione di Anima, et di Corpo 1280x680 © Franz Schwarzinger

Zum Werk

Emilio de’ Cavalieri pendelte sein Leben lang wie die allegorischen Figuren seines Stückes zwischen weltlichem Glanz und frommer Einkehr. Als er 1600 für die Feierlichkeiten zum Heiligen Jahr in Rom die Rappresentatione di Anima et di Corpo schrieb, hatte er die vielfältige Tätigkeit als Intendant der Feste am Hof von Ferdinando de’ Medici in Florenz hinter sich, wo in einer Intellektuellenrunde, der Florentiner Camerata, Ideen zur Wiederbelebung der griechischen Tragödie  ersonnen wurden, die schließlich zur Erfindung der Oper führten. In Cavalieris Rappresentatione verbinden sich das mittelalterliche Mysterienspiel, das Jesuitendrama der Gegenreformation und jene Überlegungen der Florentiner Camerata. Cavalieri verwendet für sein dialogisches, allegorisches Spiel den dort entwickelten „Stile recitando“, ein gesungenes Sprechen. Somit ist die Rappresentatione weder Oper noch Oratorium, aber Keimzelle für beides und auf jeden Fall das erste vollständig überlieferte Stück Musiktheater. Die Uraufführung fand im Betsaal der Bruderschaft des Heiligen Filippo Neri statt, der – erst 1595 verstorben – eine anschauliche Laienunterweisung mit Musik ergänzend zur lateinischen Predigt kultiviert hatte. Die Rappresentatione ist in diesem Sinne als eine ausgefeilte, ineinander geschachtelte allegorische Abstraktion angelegt: Der  gesprochene Prolog stellt eine These auf, deren Richtigkeit in den folgenden drei, durch Musik kunstvoll stilisierten Akten bewiesen wird. Cavalieris kompositorische Stärke liegt in der abwechslungsreichen Gestaltung der Chöre, der  Instrumental - stücke, der Ensembles und der Verwendung von Tanzrhythmen. Höhepunkte sind das Echo vom Himmel, der Auftritt von Piacere und die Befragung der Verdammten und der Seligen. Der Partitur ist ein Vorwort beigegeben, worin Cavalieri sein Ziel, die geistige Erbauung so unterhaltend wie möglich gestalten zu wollen, vertritt: Ein  Libretto solle nicht länger als 700 Verse sein, die Sänger sollen wenig verzieren und auf ihre saubere Aussprache achten, denn Musik ohne Textverständlichkeit sei langweilig und die Zuschauer würden abspringen. Zur Besetzung der Instrumente gibt Cavalieri Empfehlungen, aber er lässt den jeweiligen Ausführenden dies - bezüglich große Freiheit, dadurch wird der musikalische Leiter zum maßgeblichen Mitgestalter der Produktion.