Elegie für junge Liebende 16/17 013 © Werner Kmetitsch

Inhalt

Hans Werner Henze und seine Librettisten, die englischen Dichter Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman, widmeten die 1961 bei den Schwetzinger Festspielen als Auftragswerk uraufgeführte Elegie für junge Liebende „der Erinnerung an Hugo von Hofmannsthal, Österreicher, Europäer und Meisterlibrettist“. Im Geiste Hofmannsthals soll dieses Stück zwischen ironischer Komödie und Tragödie schweben. Satirische Elemente stehen neben melancholischen und sogar erschüt - ternden. Kammerspielartig entwickelt sich ein vieldeutiges Künstlerdrama, das von William Butler Yeats Motto „Der Geist des Menschen muss sich entscheiden für die Vollkommenheit des Lebens oder des Werkes“ inspiriert wurde. Henze schuf dazu eine zeitgenössische Musik, die sich stets ihrer Anbindung an die europäische Operntradition bewusst ist. Die Komposition besticht durch eine enorme musikalische Vielfalt, ein nuanciertes transparentes Klangbild, das immer dem Primat der Sing - stimme verpflichtet bleibt und mit klassischen Rezitativen bis zu hoch virtuosen Solo- und Ensemblepassagen dem Beziehungsreichtum des Librettos gerecht wird.

Dem berühmten Dichter Gregor Mittenhofer fällt trotz guter Betreuung durch seine Entourage und seiner jungen Muse Elisabeth Zimmer nichts mehr ein. Inspiration zieht er parasitär aus den Visionen der halb wahnsinnigen Hilda Mack, die seit 40 Jahren auf ihren in den Bergen verschollenen Mann wartet. Als Toni Reischmann, der Sohn des Arztes von Mittenhofer, eintrifft, verlieben sich er und Elisabeth ineinander und wollen zusammen fortgehen. Der jungen Frau fällt es schwer, das alternde Dichtergenie zu verlassen, aber er gibt sie vor den anderen scheinbar großzügig frei. Allein lässt er jedoch seiner Eifersucht freien Lauf. Inzwischen wird die Leiche des Ehemannes von Hilda Mack am Gletscher gefunden. Dadurch kehrt sie in die Realität zurück, und Mittenhofer muss befürchten, dass diese Inspirationsquelle versiegt.
Er bittet nun das junge Paar, ihm zu seiner dichterischen Anregung eine besondere Blume vom Hammerhorn zu holen. Kaum sind Elisabeth und Toni aufgebrochen, zieht ein Schneesturm auf. Als der Bergführer fragt, ob sich jemand auf einer Tour befände, verneint Mittenhofer dies. Das junge Paar kommt in den Bergen um. Einige Zeit später stellt Mittenhofer bei einer feierlichen Lesung in einem Wiener Theater sein neues großes Werk, die Elegie für junge Liebende vor.