Capriccio_1280x680_1516 © beyond/André Sanchez

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Was ist für eine gute Oper grundlegend wichtiger, der Text oder die Musik, welches Element hat welchem zu Diensten zu sein? Stefan Zweig machte Richard Strauss auf das Thema aufmerksam und schrieb ein Szenario zu diesem alten Streitfall der Musikgeschichte, schied aber bald aus dem Projekt aus: als Jude wurde ihm die Arbeit durch die auch in Österreich aktiven Nationalsozialisten zunehmend verwehrt, er emigrierte im Februar 1934 nach England. Zweig war allerdings nicht ersetzbar: An dem Libretto werkten dann mühsam Joseph Gregor, Clemens Krauss, Hans Swarowsky und Strauss selbst bis Anfang 1941, die Uraufführung fand am 28. Oktober 1942 in München statt. Entsprechend dem Thema gehen Text und Musik in Capriccio eine gegenseitig befruchtende Allianz ein: Den Zitaten in Bezug auf die Musikgeschichte im Text entspricht die Verarbeitung verschiedenster Formen aus der Operngeschichte in der Musik. Strauss selbst verstand Capriccio weniger als ein „Stück fürs Publikum“, sondern vielmehr als „geistreiche dramatische Paraphrase“, als einen „Leckerbissen für kulturelle Feinschmecker“. Der heiter-melancholische Rückblick über 300 Jahre Operngeschichte ist Strauss‘ letzte Oper und auch von ihm selbst als künstlerisches Testament gedacht.

Paris um 1775. Gräfin Madeleine hat zwei Verehrer: den Dichter Olivier und den Komponisten Flamand. Beide wetteifern um die Gunst der schönen Frau, und diese Konkurrenz verbindet sich mit der Streitfrage, ob die Worte oder die Musik bei einer Komposition wichtiger sind. In die Diskussion mengt sich noch der anwesende Theaterdirektor La Roche ein, denn die Gräfin hat Geburtstag, und es gibt eine private Aufführung zu ihren Ehren. Der Bruder der Gräfin kümmert sich indessen ums Sprechtheater in Gestalt der reizenden Schauspielerin Clairon. Es wird sehr viel Konversation und Kunst im Verlauf des Festtages betrieben, und Flamand und Olivier sollen aus all dem eine neue Oper machen. Die beiden Männer interessiert aber mehr, wen Madeleine als Liebhaber erwählt. An nächsten Tag soll sich die Gräfin zwischen ihnen entscheiden, ihr scheint dieser Schwebezustand jedoch sehr gut zu gefallen. Weder das Problem, ob Worte oder Musik bei einer Vertonung wichtiger sind, noch das Problem, wer nun Liebhaber der Gräfin werden soll, wird gelöst. Zumindest zu einer guten Oper braucht es beides: einen guten Librettisten und einen guten Komponisten.