Shakespeare Dances © Kiran West

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Ich glaube, Shakespeare ist das größte Inspirationsreservoir für einen Choreografen. Er ist der humanste von allen Dichtern. Er sieht Dinge, spricht von Dingen, die eine Dimension haben, die noch viel stärker sind als seine eigenen Worte. Wobei ich seine Sprache in keiner Weise kleinreden möchte. Irgendein Kritiker hat gesagt, man könne Shakespeare nicht verstehen, wenn man nicht seine eigene Menschlichkeit mitbringt. Ich glaube, das ist das Wesentliche. Er hat Menschen so tief erfasst, seine Figuren und ihre Beziehungen so ungeheuer komplex und stark beschrieben, dass wir sie auch ohne Worte auf der Tanzbühne verstehen, so paradox das auch erscheinen mag. John Neumeier

John Neumeier hat viele Choreografien auf der Grundlage von William Shakespears Stücken geschaffen. Einige hat er immer wieder überarbeitet und neu perspektiviert. Zum 40-jährigen Jubiläum des Hamburg Ballett destillierte Neumeier aus dreien seiner ursprünglich abendfüllenden Shakespeare-Choreografien einen einzigen Abend, der stellvertretend eine Überschau seiner langen Beschäftigung mit dem Werk des englischen Dramatikers geben soll. Neumeiers letzte Version von Hamlet steht in der Mitte des Abends, gerahmt von den beiden Komödien Wie es Euch gefällt und VIVALDI oder Was Ihr wollt. Neumeier hat in allen drei Kurzfassungen das für ihn Wesentliche noch genauer herausgearbeitet. Eine Figur zieht sich als Klammer durch den Abend, es ist Jaques aus Wie es euch gefällt. Neumeier erläutert seine Funktion: „Bei Shakespeare ist Jaques in seinem Monolog ein Beobachter der menschlichen Natur und ihrer Wechselfälle. Er hat die Zurschaustellung des menschlichen Daseins im Blick, wenn er sagt: ‚Die ganze Welt ist Bühne / Und alle Fraun und Männer bloße Spieler.‘ In der Schwebe zwischen Spaß und Ernst werden Energie und Lebenswille selbst in der Vertauschung von Leben und Tod sichtbar. Und so könnte man sagen, dass sich auf dem Theater die Kraft behauptet, aus der aller Anfang entsteht“.