Gespenster 001 © Erik Berg

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Sind wir jemals ehrlich genug, um von Lügen unberührt zu bleiben? – Mit dieser Frage beschäftigt sich Henrik Ibsens Drama Gespenster, das die Vorlage für dieses Ballett bildet. „Ghosts ist ein Psychothriller, in dem die Figuren immer mehr von ihrer eigenen Geschichte erfahren“, sagt die Regisseurin Marit Moum Aune über den Abend, „Es geht darum, wie Unausgesprochenes zusehends ins Unerträgliche wachsen kann. Es gehört ungeheurer Mut dazu, mit den eigenen Illusionen Frieden zu schließen.“ Gemeinsam mit der jungen Choreografin Cina Espejord erzählt sie Ibsens Drama als Ballett zur Musik von Nils Petter Molvær. Sie bringen die Geschichte als getanztes Theater auf die Bühne, weil die unmittelbare Ausdruckskraft des Tanzes der Darstellung innerer und äußerer Brutalität in besonderer Weise gerecht zu werden vermag.

Der junge Osvald Alving gibt sein Leben als Bohémien in Paris auf und kehrt zurück in seine norwegische Heimatstadt. Keiner weiß, dass er bald dem Schwachsinn anheimfallen wird durch Hirnerweichung. Anderen Menschen begegnet er mit Ironie und Distanz. Seine Mutter heißt ihren schmerzlich vermissten Sohn willkommen, versteht aber nur langsam, in welchem Zustand er nach Hause zurückgekehrt ist. Und nach und nach kommen Geheimnisse zutage, die nicht nur auf seiner Familie, sondern auch auf Osvald persönlich lasten. Aus der Vergangen - heit stammende Gespenster zerstören nach und nachdie nur mühsam aufrecht er - haltene Fassade der gutbürgerlichen Familie. Als Osvalds Hoffnung, die junge Regine zur Frau zu bekommen, dadurch enttäuscht wird, dass sie sich als seine Halbschwester entpuppt, die von seinem Vater mit einer Angestellten gezeugt wurde, verzweifelt er. Einzig seine Mutter, die ebenfalls schmerzliche Lebensgeheimnisse aufdecken muss, hält zu ihm, als er die nächste Phase der Hirnerweichung erreicht.