Max Emanuel Cencic © Anna Hoffmann

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Leonardo Vinci war im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts einer der berühmtesten Opernkomponisten. Zusammen mit seinem Freund, dem Librettisten und nachmaligen habsburgischen Hofdichter Pietro Metastasio prägte er die Gestalt der barocken Oper: Die Abfolge von Da Capo-Arien und Rezitativen wurde verbindlich, Vincis sensible Vertonungen von Metastasios klangvollen Versen legten einen neuen Maßstab an die Verbindung von Musik und Text. Selbst Händel hatte großen Respekt vor Vinci und verarbeitete seine Arien in Pasticcios für sein Londoner Publikum. 1730 kam Vinci unter ungeklärten Umständen ums Leben, angeblich fiel er einem Giftmord zum Opfer. Damit endete aber auch sein Einfluss auf die Operngeschichte, und seine brillanten Stücke mit virtuosen Glanznummern für die damaligen Primadonnen und Star-Kastraten gerieten bis vor Kurzem in Vergessenheit. Nach der konzertanten Aufführung von Artarserse (2012) im Theater an der Wien und der szenischen Aufführung des Vinci/Händel-Pasticcios Semiramide (2013) in der Kammeroper präsentieren wir Ihnen konzertant eine weitere Wiederentdeckung aus Vincis OEuvre: Gismondo, König von Polen, hat ein Problem mit dem aufsässigen Fürsten von Litauen, Primislao, er würde aber gern Frieden schließen, denn das Land ist vom Krieg verheert. Zu politischen Problemen kommen private, denn einerseits hat sich Ottone, Gismondos Sohn, in Cunegonda, Primislaos Tochter verliebt und Giuditta, Gismondos Tochter verfällt wiederum dem attraktiven Primislao selbst. Staatsräson verbietet die Liebe zu dem Feind, Gismondos Wunsch nach Frieden hingegen könnten diese Beziehungen doch unterstützen. Was tun? Hin- und hergerissen zwischen Politik und Liebe suchen die Figuren nach Frieden in ihren Herzen und für ihre Länder. Das Ende zeigt Versöhnung – hieß die Vorlage doch ursprünglich: Il vincitor generoso –Der großzügige Sieger. Vinci verwendete einige Nummern aus seiner eigenen Oper L’Ernelinda – solche Selbstanleihen waren damals üblich. In der Instrumentation machte er Experimente: Flöten und Hörner begleiten eine Arie über eine liebeskranke Nachtigall, und zwei Fagotte liefern den sehnsüchtig-traurigenKlang zu Ottones „Vuoi ch’io moro?“