Julia Doyle © Raphaelle Photography

Inhalt / Zum Werk

Georg Friedrich Händel hat viele Kompositionen geschaffen, die als Meisterwerke gelten, aber vor allem Messiah hat ihm seinen Ruhm über die wechselnden musikalischen Entwicklungen und Moden der letzten 250 Jahre erhalten. Händel schrieb das Oratorium 1741 in London, begab sich dann für zehn Monate nach Dublin, wo er es Mitte April 1742 im Rahmen eines Benefizkonzertes zur Uraufführung brachte. Diese erste Präsentation war ein enormer Erfolg, in der Zeitung wurde gebeten, „Herren mögen ohne Schwert und Damen ohne Reifröcke kommen, um so Platz für ein größeres Publikum zu schaffen und damit höhere Einkünfte für die guten Zwecke zu schaffen“. Edward Synge, Bischof von Elphin, schrieb überwältigt: „Obwohl Mr Händel mit seinen Oratorien ohnehin schon alle anderen Komponisten übertrifft, scheint er sich in Messiah selbst übertroffen zu haben. Es scheint mir eine spezielle Art von Musik zu sein, ganz anders als alle andere.“ In London hingegen war die Begeisterung zunächst nicht so groß, aber bald verbreitete sich das Werk über England und den Kontinent. Händel selbst passte die Musik neuen Aufführungskonditionen an, so dass heute etliche Varianten bekannt sind, aber nicht die genaue Gestalt der Urfassung. Über die Jahre wurde die Menge der Mitwirkenden immer größer, es gab gigantische Aufführungen mit über 500 MusikerInnen, die den Preis des Erlösers immer überwältigender zelebrierten. Das Libretto des Messiah fußt auf Bibeltexten, die Händels Freund und Gönner Charles Jennens zusammengestellt hatte. Das Oratorium schildert allerdings nicht die Geschichte von Jesu Leben und Sterben – wie man denken könnte –, sondern ist mehr eine abstrakte, biblisch-theologische Erörterung darüber, dass Jesus auch wirklich der von den Propheten angekündigte Messias war. Er selbst tritt nicht in Erscheinung. Aussagen des Alten Testaments werden christologisch gedeutet und auf Jesus, wie ihn das Neue Testament beschreibt, bezogen. Der Grundgestus der Texte ist das Ringen um den christlichen Glauben. Händels Musik findet überwältigenden Ausdruck für menschliche Ängste und Hoffnungen, Schuldgefühle, Zerknirschung und jubelnde Erlösungsgewissheit.