La clemenza di Tito 1280x680 © beyond | Leopold Kogler

Zum Werk

Wolfgang Amadeus Mozart erhielt im Juli 1791 von den böhmischen Ständen den Auftrag, für die Krönung Kaiser Leopolds II. zum böhmischen König in Prag eine Festoper zu schreiben, deren Vorlage von den Auftraggebern bestimmt wurde: La clemenza di Tito, ein 1734 von Pietro Metastasio für Antonio Caldara verfasstes Libretto, das bereits über 40 Mal vertont worden war, weil es als idealer  Fürstenspiegel galt. Selbst der kritische Voltaire empfand das Stück in seiner Verherrlichung des vernünftigen, unerschütterlich gütigen und weisen Herrschers als „ewige Lehre für alle Könige und ein Entzücken für alle Menschen“. Der Wiener Hofdichter Caterino Tommaso Mazzolà überarbeitete in Abstimmung mit Mozart den inzwischen aus der Mode gekommenen ursprünglichen Text der Opera seria mit ihrem starren Wechsel von Arien und Secco-Rezitativen erheblich. Mozart konnte so eine für seine Zeit „vera opera“, eine „wirkliche Oper“, wie er selbst anmerkte, mit Duetten, Terzetten, Ensemble- Finali und Chören komponieren. Insofern ist La clemenza di Tito alles andere als eine schon damals altmodische Retro-Oper,  sondern Mozart setzte formal auch mit diesem  Werk Maßstäbe und schilderte die dramatischen Ereignisse und die Figuren mit seiner ganzen Meisterschaft. Trotzdem findet musikalisch nicht die psychologische Vertiefung statt, die in den Da  Ponte-Opern erreicht wurde, aber das war auch nicht das Ziel einer solchen Festoper. Mit Tito geschieht auf diesem Hintergrund dennoch Bemerkenswertes, er wirkt schwächer als man es von einer kaiserlichen Huldigungsfigur erwarten würde, aber er wird dadurch menschlich. Das war auch die Botschaft an den echten Kaiser: Sei ein Mensch wie Tito. Ob das nicht schon zu aufgeklärt war für einen solchen Anlass, der zudem stattfand, während in Frankreich die Revolution gerade so richtig in Gang kam? Zumal auch das Ende kein wirklich erhebendesist: Tito bleibt   desillusioniert über seine Mitmenschen allein, die Macht erweist sich als traurige Bürde. Der Erfolg der Festaufführung vor der Hofgesellschaft am 6. September 1791 war dann auch mäßig, erst die folgenden Repertoire-Aufführungen mit bürgerlichem  Publikum ernteten Begeisterung.