Egmont © beyond | Leopold Kogler

Zum Werk

Das Theater an der Wien vergibt seit seiner Umwidmung zum Opernhaus im Jahr 2006 regelmäßig Kompositionsaufträge für, zeitgenössische Opern. Das Beethoven-Jahr 2020 ist nun erneut Anlass für einen solchen Auftrag. Der Bezug dieser neuen Oper zu Beethoven ergibt sich aus der Wahl des Sujets: Es geht um Prinz Egmont von Gaure als Verfechter von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Diese Themen lagen Beethoven sehr am Herzen: Seine einzige Oper Fidelio kreist um sie wie auch viele seiner weiteren Werke, die entstanden, während Europa unter den Napoleonischen Kriegen litt. Beethoven verehrte Johann Wolfgang von Goethe zeitlebens, er vertonte mehrere seiner Gedichte, schrieb für das Burgtheater 1810 die Schauspielmusik zu dessen Trauerspiel Egmont und bezeichnete Goethe in einem Brief 1811 als den „ersten deutschen Dichter“. Beide trafen sich im Sommer 1812 in Teplitz, es entstand aber keine Künstlerfreundschaft, der Generationenkonflikt war wohl zu groß. Zum 250. Geburtstag leistet das Theater an der Wien mit Egmont einen künstlerischen Beitrag zum Beethoven-Jahr. Für das Libretto wurde der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller und Librettist Christoph Klimke engagiert, der neben Erzählungen, Gedichten und Essays auch für viele Theaterstücke und Tanztheater- sowie Opern-Libretti verantwortlich zeichnet. Für das Theater an der Wien schrieb er 2010 das Libretto zu Johannes Kalitzkes erfolgreicher Oper Die Besessenen. Sein neues Libretto zu Egmont beinhaltet sowohl lyrische Passagen  wie auch von Beethoven inspirierte Momente. Der Kompositionsauftrag erging an den Komponisten und Dirigenten Christian Jost. Ausgehend von Beethovens Orchesterbesetzung seiner Schauspielmusik sollte Jost seine eigene Sicht auf Egmont gestalten. Er war 1999/2000 erster Composer in residence des Orchesters der Beethovenhalle Bonn. 2005 feierte seine erste abendfüllende Oper Vipern in  Düsseldorf Premiere, bis dahin war das Solokonzert eine zentrale Gattung in seinem kompositorischen Schaffen gewesen. Seine Oper Hamlet wurde 2009 von der  Zeitschrift Opernwelt zur Uraufführung des Jahres gewählt. Zentral für ihn ist die  „Suche nach dem magischen Moment.“ Und dies erreiche er „nur durch ein komplexes, differenziertes Verhältnis von Struktur, Form und Klang“.