Genia © beyond | Leopold Kogler

Zum Werk

Anlässlich des Beethoven-Jahres 2020 wird – neben der Uraufführung von Christian Josts Egmont im Theater an der Wien – auch in der Kammeroper eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem großen Komponisten stattfinden, als ironischer Gegenentwurf zu den heroischen Aspekten von Werk und Person dieses Titanen. Der Komponist Tscho Theissing und die Librettistin Kristine Tornquist haben sich intensiv mit Beethovens großen Lebensthemen wie Kunst, Freiheit und Zukunft auseinandergesetzt, sich aber auch eingehend mit der historischen Figur Beethoven und den mit ihm verbundenen Klischees und Anekdoten beschäftigt, mit seinen schwierigen und geheimnisvollen Liebesbeziehungen, mit seinem eigenwilligen, verschlossenen Charakter, mit den Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld. Beethovens Biografie tangierte auch in der Realität folgenreich die der Brüder Mälzel, die mit ihren revolutionären Erfindungen eine kongeniale thematische Ergänzung bilden: Kunst und Wissenschaft treffen zu Anfang des 19. Jahrhunderts explosiv und richtungsweisend aufeinander. Der immer stärker ertaubende Beethoven glaubt, mit Hilfe der Mälzels seinen Traum einer nie gehörten, alle Vorstellungskraft  sprengenden Musik der Zukunft verwirklichen zu können. Auf der Basis von  Tornquists genauen Studien der Historie werden Dichtung und Wahrheit vermischt. Herausgekommen ist dabei eine fiktive, fantastische Episode aus Beethovens Leben. Mit Genia präsentiert Tscho Theissing sein erstes abendfüllendes Musiktheaterwerk. Natürlich gibt es darin auch Anklänge an Beethovens Schöpfungen. Versatzstücke von dessen Kompositionen, bekannte wie unbekannte Themen scheinen auf,  allerdings weniger als Zitate, denn als Assoziationen oder Gedankenbilder, die weiterentwickelt werden. Beethovensche Motive und Strukturen bilden die Basis, auf der Theissing mit seiner eigenen Methodik die spezielle Klangwelt für diese Oper  geschaffen hat. Entstanden ist dabei ein außergewöhnliches Werk mit einer ganz eigenen musikalischen Sprache, die sich von Beethovens Musik und seiner   vielschichtigen Persönlichkeit inspirieren lässt, aber in Instrumentation und Stilistik neue, überraschende und spannende Wege geht.