Carlo il Calvo 2020/21 1280x680 © .

Inhalt / Zum Werk

Der Neapolitaner Nicola Antonio Porpora war der führende Gesangslehrer des 18. Jahrhunderts und Komponist von mehr als 60 Opern. Er bildete in seiner Heimatstadt die legendären Kastraten Farinelli und Caffarelli aus und ging im Streben um Perfektion keine Kompromisse ein. Der Tagesablauf, den er seinen Schülern  vorschrieb, war rigoros. Noch vor dem Mittagessen sollte ein Porpora-Schüler vier Stunden mit unterschiedlichen Gesangsübungen und eine Stunde mit literarischen Studien verbringen. Freizeit, sofern sie noch vorhanden war, sollte mit Cembalo-Üben und Komponieren von Vokalmusik verbracht werden. Porpora komponierte für die Theater in Neapel, Venedig, London, Dresden und auch Wien – hier arbeitete er zudem als Gesangslehrer und beschäftigte einen gewissen Joseph Haydn als Kammerdiener und Klavierbegleiter. Für dasTeatro delle Dame in Rom schrieb Porpora 1738 die Opera seria Carlo mil Calvo, basierend auf der Biografie des westfränkischen und später italienischen Königs Karl dem Kahlen, einem Enkel Karls des Großen im 9. Jahrhundert. Entgegen dem Namen durften im „Damentheater“ keine Frauen auftreten, da es in Rom nach einem Edikt des Papstes nur Männern erlaubt war, auf der Bühne tätig zu sein. Deshalb wurde auch die Uraufführung von Carlo il Calvo ausschließlich von Männern bestritten. Porporas Oper basiert auf einem venezianischen Libretto von 1699 und führt in ein frühmittelalterliches Europa, in dem die zerstrittenen Erben Karls des Großen um die Macht ringen. Bei Porpora ist der Titelheld noch ein Kind, das der Komponist auch einige Zeilen singen lässt. Sein Stiefbruder entführt den jungen Karl, um die Krone an sich zu reißen, nur der edle Ritter Adalgiso kann dem Thronräuber Einhalt gebieten. Porpora hat Carlo il Calvo für einige seiner eigenen Schüler geschrieben, deren Fähigkeiten er kompositorisch genau einschätzen konnte. Unter ihnen war der erst 19-jährige Anton Huber, der unter seinem Künstlernamen Porporino später in Berlin zum Primo uomo der  Königlichen Oper wurde. Die Gesangspartien in Porporas Schaffen gehören daher vor dem Hintergrund seiner Tätigkeit als Gesangslehrer und Komponist zu den schönsten, aber auch zu den schwierigsten der barocken Opernliteratur.