Anna El-Kashem 1280x680 © L. Savenko

Inhalt / Zum Werk

Armida, die schöne Nichte des Herrschers von Damaskus, hat wie keine andere Zauberin die Fantasie der Komponisten des 18. Jahrhunderts angeregt. In Torquato Tassos Ritterepos La Gerusalemme liberata soll Armida im Auftrag ihres Onkels die Kreuzritter mit allen ihr zur Verfügung stehenden magischen wie weiblichen Künsten von der Eroberung Jerusalems abhalten. In Händels Rinaldo ist sie ebenso die weibliche Hauptperson wie in Vivaldis Armida al campo d’Egitto. Jean-Baptiste Lully und Christoph Willibald Gluck haben die Zauberin auf die Pariser Opernbühnen gehoben, Luigi Cherubini und Gioachino Rossini gaben ihr ihre italienische Gestalt, und Antonín Dvořák schrieb seine letzte Oper Armida auf Tschechisch 1904 für das Prager Nationaltheater. In Wien wandte sich 1771 ein junger italienischer Komponist ebenfalls dem Stoff zu und komponierte mit zwanzig Jahren seine erste größere Oper für das Burgtheater. Der aus der Republik Venedig stammende Antonio Salieri sollte rasch Karriere am Wiener Hof machen und einer der wichtigsten Akteure des Wiener Musiklebens seiner Zeit werden, historisch aber stets vom Schatten Mozarts verdeckt bleiben. Salieris Librettist Marco Coltellini reduzierte die Handlung auf drei Hauptfiguren. Armida hält Rinaldo auf einer Insel gefangen, hat sich aber selbst in den Ritter verliebt. Rinaldos Gefährte Ubaldo landet auf der Insel, um zunächst den verzauberten Ritter und dann mit ihm gemeinsam Jerusalem zu befreien. Salieri schwebte eine „Zauber-, Helden- und Liebesoper, die auch das Tragische berührt“ vor und schuf ein durchkomponiertes Werk, das sich nicht mehr strikt an die strengen Regeln der Opera seria hält, sondern den Ideen der Reformoper folgt. Bereits die Ouvertüre ist keine voranstehende Sinfonia, sondern schildert Ubertos Eintreffen auf Armidas Insel. Den Wechsel zwischen Rezitativ und Arie hat Salieri zugunsten komplexer dramatischer Szenen aufgehoben. Die Premiere war ein großer Erfolg für Salieri, Armida wurde bald in ganz Europa gespielt, und die Oper wurde sein erstes, vollständig gedrucktes Werk. Armida lag Salieri so sehr am Herzen, dass er die Oper kontinuierlich bearbeitete, um die „unverzeihliche Unreife“ seiner Jugend zu mildern.