An die Freude | Hamburg Ballett

Inhalt

Das Heroische der Dritten, das Schicksalhafte der Fünften, das Lebensbejahende der Siebten – nur drei Zutaten, die in die Neunte gehören. Erste Skizzen entstanden schon im Jahr 1815 – das Jahr nach der letzten Fidelio-Fassung, das Jahr der Rückkehr Napoleons und seiner endgültigen Niederlage bei Waterloo und das Jahr, in dem die erste Gesamtausgabe der Werke Friedrich Schillers erschien. Erst 1822 nahm Beethoven aber wieder die Arbeit an der Symphonie auf. Der erste Satz beginnt geheimnisvoll mit einer leeren Quinte, es knistert, und verheißungsvoll bauen sich Liegetöne der Bläser auf. Zwischendrin zuckt und blitzt es in den Streicherstimmen auf, es ist das erste Thema, das sich gewaltig nach der kurzen Einleitung über das Publikum entlädt. Überwältigt bleibt man zurück – der erste Satz ist in seiner Ausdehnung zwar viel zu lang, aber er besticht mit einer unglaublichen  kompositorischen Präzision. Eine Verschnaufpause gönnt uns Beethoven nicht, denn der zweite Satz schließt unmittelbar und inhaltlich direkt an –das teils Martialische des ersten Satzes ist verschwunden, aber das lauernd-dämonische bleibt. Der dritte Satz ist der lang ersehnte langsame, er bildet den Ruhepunkt in der Symphonie. Wir können aufatmen, eine neue Welt betreten. Fast hypnotisch wirken die Variationen des Themas in ihrem Aufbau – erst an- dann abschwellend. Der vierte Satz reißt uns aus unseren Träumen wieder heraus, gerade, als ob er uns mit Pauken und Trompeten in den Krieg rufen wollte. Und auch die Stimme der Celli und Bässe wirkt zu Beginn eher einschüchternd, bevor sie leise, in schlichter Schönheit, langsam das gesamte Orchester animiert, sich ihr anzuschließen. Und auch der hinzutretende  Chor – Frevel oder Kunstgriff? – setzt mit Friedrich Schillers berühmter Ode an die  Freude ein. Diese verkündet nicht weniger als die Gleichheit aller Menschen über ihre Unterschiede hinweg. Die Neunte ist eine der ultimativsten Hymnen, die je  geschrieben wurden. Und auch die Europäische Union hat diese mächtige Musik zu ihrer Hymne gewählt – ja, nur die Musik! Denn auf den Text konnte man sich bei aller  Brüderlichkeit dann doch nicht einigen.