GiasoneNEU PREMIERE VERSCHOBEN 1280x680 © beyond Eva Vasari

Zum Werk

Francesco Cavalli (1602-76) ist unter den ersten, die sich in Venedig mit unerschöpflicher Energie der neuen Gattung Oper widmen. Denn erst in Venedig, der republikanischen Weltstadt an der Adria, wird die Oper dank der Begeisterung aller zahlungsfähigen Bevölkerungsschichten zu einer populären Kunstform. Aus gelehrten Experimenten und höfischen Vergnügungen entsteht so die zentrale Kunstform des Barockzeitalters. Cavalli entwickelt den Stil Monteverdis mit einem außergewöhnlichen Melodienreichtum weiter. In Giasone finden wir bereits alle bewährten Charakteristika der später so vielfältigen venezianischen Oper, die von einer ausgewogenen Mischung aus ernsten und komischen Szenen geprägt sein wird, in denen sich expressive Rezitative mit eingängigen, schlagertauglichen Gesängen abwechseln. Da herrscht ein scheinbar chaotisches Durcheinander verschiedener Themen und Stile, die allerdings perfekt ausbalanciert sind, da finden wir eine Fülle unterschiedlicher Charaktere aus allen Schichten des Volkes und sind mit einem unvermuteten Wechsel von Tragik zu Komik konfrontiert, der staunen und schwindlig macht. Giasone wurde dadurch allerdings auch zum bevorzugten Angriffsziel der konservativen Accademia dell’Arcadia, die das Werk zum Symbol der „venezianischen Dekadenz“ erklärte. Giasone wurde 1649 erstmals am Teatro S. Cassiano aufgeführt, also an jenem Theater, das – 1637 eröffnet – als erstes öffentlich zugängliches Opernhaus Venedigs gilt. Innerhalb weniger Jahre  wurde die neue Oper zu einem der meistgespielten Werke im 17. Jahrhundert; in fast jeder größeren Stadt Italiens wurde sie erfolgreich aufgeführt. Der Titelheld ist  natürlich niemand anderer als jener Jason aus der Argonauten-Sage, der mit Hilfe  Medeas das Goldene Vlies raubt. Doch Cavalli und sein Librettist Cicognini haben die antike Sage ziemlich eigenwillig für ihre Bedürfnisse abgeändert, denn das Publikum  erwartete während des Karnevals deftige Unterhaltung, keine blutigen Tragödien,  zudem ein Lieto fine, also einen glücklichen Ausgang der Handlung. Daher endet diese Version der Argonauten-Sage unerwartet und ungewöhnlich glücklich mit  mehreren recht schrägen Liebespaaren.