Familienoper in einem Akt für jung & alle ab 8 Jahren
Libretto von Paula Fünfeck nach dem gleichnamigen Roman von Enne Koens
Uraufführung eines Auftragswerks des MusikTheaters an der Wien
Eine berührende Familienoper für Kinder, Familien und Freund*innen
Vincent ist elf und hat ein besonderes Hobby: Er weiß alles über die Natur und das Überleben in der Wildnis. Das „tägliche Überleben“ in der Schule ist allerdings gar nicht so leicht für ihn, denn er wird von seinen Mitschüler*innen schikaniert. Die Witze und Tipps seiner vier imaginären Freunde Eichhörnchen, Käfer, Fohlen und Wurm helfen inzwischen auch nicht mehr weiter. Ein Lichtblick ist immerhin „Die Jacke“, die neue coole Klassenkameradin, mit der sich Vincent langsam anfreundet. Wer weiß, vielleicht werden sie sogar eine Band gründen! Doch ausgerechnet jetzt steht eine Schullandwoche an, wo die Situation außer Kontrolle gerät. Vincent muss sich endlich seinen Ängsten stellen.
Ausgehend von Enne Koens’ vielfach ausgezeichnetem Roman Ich bin Vincent! und ich habe keine Angst, der sich dem Thema Mobbing behutsam und sehr humorvoll nähert, schreiben Librettistin Paula Fünfeck und Komponist Gordon Kampe eine neue Familienoper für das MusikTheater an der Wien. Beide haben in den letzten Jahren dem Genre Kinder- und Jugendoper wichtige Impulse gegeben und arbeiten nun erstmals zusammen. Die Regie liegt in den Händen von Johannes Schmid, der zuletzt mit seinen Christine-Nöstlinger-Verfilmungen Geschichten vom Franz und Neue Geschichten vom Franz begeisterte.
Die einstündige Oper für alle ab 8 Jahren erzählt liebevoll von Mut, Freundschaft und den Herausforderungen im Klassenzimmer und zeigt Kindern und Erwachsenen gleichermaßen wie wichtig es ist seine Ängste zu überwinden und für sich selbst einzustehen. Ein besonderes Programm für die ganze Familie, das viel Hoffnung schenkt!
Mit freundlicher Unterstützung von Martin Schlaff
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Werkeinführung jeweils 30 Minuten vor Aufführungsbeginn am 14., 19., 21. und 28. Dezember
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Ich bin Vincent! und ich habe keine Angst - Trailer
Trailer mit Szenenausschnitten aus der Produktion Ich bin Vincent! und ich habe keine Angst im Theater an der Wien.
Ich bin Vincent! Und ich habe keine Angst - Probeneinblick
Trailer mit verschiedenen Ausschnitten aus „Ich bin Vincent! Und ich habe keine Angst!“ Der Regisseur und Hauptdarsteller erzählen von der Handlung.
Wiener Symphoniker
Arnold Schoenberg Chor (Leitung: Erwin Ortner)
Erleben Sie dreimal Musiktheater für die ganze Familie zum besten Preis, und sichern Sie sich die ersten Plätze zu Ihrem Wunschtermin (Premieren ausgenommen). Empfohlen ab 8 Jahren.
Im TaWumm! Familienabo enthalten sind:
BRAVISSIMO!
ICH BIN VINCENT! UND ICH HABE KEINE ANGST
HOLLE!
Erwachsene: € 60,-
Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre: € 30,-
Bis 16 Jahre: € 15,–
Bis 19 Jahre: € 20,–
Familienticket (4 Tickets mit einer Person unter 19 Jahren): € 99,-
Schulgruppen: € 10,- (nach Verfügbarkeit)
Gruppenanfragen (ab einer Personenzahl von 11 Personen): an opernkarten@vbw.at oder über unser Kontaktformular
Univ. Prof. Dr. Paul Plener studierte Medizin und absolvierte eine Facharztausbildung für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapie in Ulm. 2018 übernahm er nach leitenden Funktionen in Deutschland die Professur für Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Leitung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien / Universitätsklinikum AKH. Er ist neben vielen weiteren Funktionen Mitglied des während der Corona-Krise eingerichteten psychosozialen Krisenstabs der Stadt Wien.
Christian Schröder Vermutlich macht fast jeder Mensch im Lauf des Lebens die Erfahrung, von einer Gruppe anderer Menschen schlecht oder ungerecht behandelt oder vielleicht ganz abgelehnt zu werden – und womöglich ist dies im Kindes- und Jugendalter besonders schmerzhaft. Aber ab wann kann man denn konkret von Mobbing sprechen?
Paul Plener Letztendlich sind die Grenzen da sehr fließend, denn in jedem Fall verhält es sich, abhängig von den jeweiligen Personen, anders. Das Wesen von Mobbing ist, dass es eine Gruppe gibt, deren Mitglieder sich gegen Einzelne verbünden und es dadurch zugleich auch zu einem Machgefälle kommt. Das kann es in ganz verschiedenen Konstellationen geben. Etwa ein Viertel der Jugendlichen berichtet davon, eine Mobbing-Erfahrung gemacht zu haben. Interessanterweise sagen etwa 16%, dass sie schon einmal Täter*innen waren. Natürlich gibt es auch Personen, die beiden Gruppen zugehören, die in einer Situation also Opfer, in der anderen Täter*innen sind. Diese Zahlen beziehen sich auf das „reale“ Leben, im Fall von Cybermobbing setzt man die Zahl der Mobbingopfer bei 11% an.
CS Solche Angaben stammen vermutlich aus anonymisierten Umfragen?
PP Genau! Die Zahlen stammen aus einer ganz aktuellen Metaanalyse, einer Arbeit, die zahlreiche Einzelstudien zusammenfasst und daraus Zahlen destilliert. Dabei werden Daten von über einer halben Millionen Beteiligter einbezogen, wodurch man ein ganz gutes Bild erhält.
CS Mobbing und mentale Gesundheit sind Themen, die inzwischen in unserer Gesellschaft viel diskutiert werden, deutlich mehr als noch vor 20, 30 Jahren. Das Wissen darüber scheint auf einem sehr guten Stand. Stellen Sie eine Verbesserung der Situation im Verlauf der Jahre fest?
PP Der Eindruck, dass unsere Sensibilität viel größer geworden ist, täuscht nicht. Wir nehmen diese Themenkomplexe viel ernster als es früher der Fall war. Durch breit aufgestellte Forschung in diesem Bereich sehen wir die Auswirkungen von Mobbing auf die psychische Gesundheit sehr deutlich, und längst hat man hat begonnen, das sehr ernst zu nehmen. Der strukturelle Schritt, Mobbing gegen Kinder und Jugendliche entgegenzutreten, muss auf der Schulebene ansetzen. Es braucht Schulen, die aktiv werden wollen. Im nächsten Schritt folgen dann Interventionen auf Lehrer- und auf Schülerebene mit dem gemeinsamen Ziel, diese Schule zu einem stützenden Umfeld zu machen, in dem man aufeinander achtgibt und wo auch die sogenannten Bystander – also die, die zuschauen und eigentlich nicht interagieren – ganz aktiv ins Boot geholt werden. Mittlerweile gibt es sehr gute Präventionsprogramme!
CS Als Teenager findet man allerdings die Eltern meistens sehr uncool und vertraut ihnen längst nicht alles an. Auch den Lehrpersonen möchte man vielleicht nicht alles sagen.
PP Letztendlich ist es einer der wichtigsten Schritte einer jeden Person, die Mobbing erlebt, dieses mit anderen Personen zu teilen und sich Hilfe von anderen zu holen. Es ist sehr schwierig, Mobbing im Alleingang lösen zu wollen. Man muss es möglichst schnell auf die Ebene der Eltern bringen oder mit Klassenkameraden zu reden, die sich für einen engagieren. Und wenn die Eltern nicht weiterkommen, muss die Schule, inklusive Direktion, mit einbezogen werden, damit man das Ganze auf einer strukturellen Ebene lösen kann. Es gibt sehr viele Schulen, die sich für dieses Thema interessieren, weil das Problembewusstsein insgesamt sehr stark gewachsen ist. Wenn das aber nicht der Fall ist, ist es wichtig, dass die Eltern das einfordern. Das Problem darf nicht weggeschoben werden, da es einen sehr großen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben kann.
CS Die Figur Vincent in Gordon Kampes Oper ist ungefähr elf Jahre alt und fährt zwei Strategien, um dem Mobbing zu begegnen: Zum einen hat er vier imaginäre Freunde, mit denen er seine Probleme teilt, zum anderen ist er großer Fan von Survival, dem Überleben in der Wildnis. Haben solche Strategien in der Realität einen Wert?
PP Das Problem bei den imaginären Freunden ist ja, dass sie der eigenen Gedankenwelt entspringen, und dadurch keinen Input von außen liefern können. Die zweite Strategie ist da schon wichtiger: Wenn man ein Hobby hat, das einen jenseits von Schule und Elternhaus in Anspruch nimmt, wenn man eine Tätigkeit ausübt, in der man möglicherweise auch körperlich gefordert ist, ist das sehr stützend für die psychische Gesundheit.
CS Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen Burschen und Mädchen? Gemeinhin wird behauptet, dass sich Männer seltener und später Hilfe holen als Frauen. Falls es sich tatsächlich so verhält – trifft das auch schon auf Kinder und Jugendliche zu?
PP Es gibt tatsächlich viele Studien, die belegen, dass Männer – und auch männliche Jugendliche – schlechter darin sind, sich Hilfe zu suchen als Frauen und Mädchen. Es gibt dabei aber auch noch einen anderen wichtigen Aspekt: Das Jugendalter ist eine Phase der sehr hohen Verletzlichkeit. Wir sind da deshalb sehr vulnerabel bei sozialem Ausschluss. Eine wichtige Entwicklungsaufgabe besteht darin, rauszugehen aus der Familie und sich im Kontext der Gleichaltrigen zu behaupten, wohlzufühlen und neue Freundschaften zu knüpfen. Darum sind wir in genau dieser Phase so empfindlich für soziale Zurückweisung. Wir wissen, dass diese Empfindlichkeit auch unterschiedlichen Altersverläufen folgt: Das ist bei Mädchen früher, und tritt bei Jungen zeitverzögert auf. Es gibt bei den Geschlechtern unterschiedliche Entwicklungsverläufe. In der Jugendphase schauen wir aber alle sehr genau darauf, ob wir „dazugehören“.
CS In unserer Oper gibt es ein Happy End. Ist die Bewältigung einer solchen Krise automatisch eine Stärkung oder nimmt man diese Belastung, vielleicht sogar als Trauma, mit in die Zeit als Teenager und Erwachsener?
PP Es geht immer darum, wie eine solche Krise bewältigt wurde. Tatsächlich ist es gar nicht so weit hergeholt, hier von einer Art traumatischem Erlebnis zu sprechen. Es ist etwas, das vielen Leuten passiert, aber es geht sehr an die Substanz. Immer, wenn wir solche Erlebnisse haben, die sehr belastend sind, und wir einen Weg der Bewältigung finden, haben wir eine neue Lernerfahrung und das Gefühl, selbst etwas gemacht zu haben. In der Traumaforschung würden wir hier von Post-Traumatic Growth, also von posttraumatischem Wachstum sprechen, das die Leute stärker macht. Wir wissen auch, dass Resilienz ein Wachsen gegen Widerstände, die bewältigbar sind, bedeutet. Klar: Wenn man das schafft, macht einen das schon auch ein Stück weit fitter für neue Herausforderungen.
CS Was sind sonstige Faktoren, die heutigen Kindern und Jugendlichen psychisch zu schaffen machen? Wir haben am MusikTheater an der Wien vor ein paar Jahren ein Stück aufgeführt, bei dem wir den jugendlichen Darsteller*innen freie Hand bei der Themenwahl ließen. Daraus ist die Performance SuperZero, Baby entstanden, die sich mit dem Klimawandel auseinandergesetzt hat. Im Laufe des Probenprozesses konnten wir feststellen, wie sehr die Angst um die Zukunft unseres Planeten den Jugendlichen zu schaffen machte.
PP Wir können uns da an drei Studien im mitteleuropäischen Raum orientieren, die in den letzten zwei Jahren gelaufen sind, und in denen Jugendliche befragt wurden, worüber sie sich Sorgen machen. Klimawandel ist tatsächlich eines der Top-3-Themen. Das sich durchziehende Riesenthema ist Krieg und damit verbunden auch Terror. Zudem spielen sozio-ökonomische Themen eine große Rolle, v. a. das Auseinandergehen der Schere zwischen Arm und Reich. Etwa die Frage: Werde ich mir überhaupt noch eine Wohnung leisten können? Die Sorge um die Zukunft der Welt, aber auch der Gesellschaft – das scheint derzeit viele Jugendliche zu beschäftigen.


























