DRAMMA PER MUSICA IN DREI AKTEN
LIBRETTO VON NICOLA FRANCESCO HAYM
Einen geradezu erbitterten Wettkampf um die Gunst des Opernpublikums lieferten sich Anfang der 1720er-Jahre die beiden Komponisten Georg Friedrich Händel und Giovanni Bononcini. Wohl vor allem dem 1724 uraufgeführten Giulio Cesare in Egitto ist es zu verdanken, dass Händel schließlich den Sieg davontragen konnte. Gemeinsam mit seinem Librettisten Nicola Francesco Haym hatte er den Uraufführungsabend strategisch lange vorbereitet und sich für die Komposition ein Dreivierteljahr Zeit genommen – eine für Händel vollkommen ungewöhnliche Dauer. Die Akribie zahlte sich aus: Bis heute zählt Giulio Cesare in Egitto zu Händels erfolgreichsten Opern. Vor dem Hintergrund des Eroberungsfeldzugs des römischen Imperiums in Ägypten wird vom heftigen Flirt zwischen Feldherr Giulio Cesare und der zukünftigen Pharaonin Cleopatra erzählt. Während Cesare sowohl kriegerische als auch verliebte Töne von sich geben darf, entwickelt sich die selbstbewusste und kokette Cleopatra zur würdigen Königin. Selbst im umfangreichen Schaffen Händels ist der Einfallsreichtum dieser Partitur einzigartig. Mit Jakub Józef Orliński und Sabine Devieilhe sind die beiden Hauptpartien spektakulär besetzt.
Konzertante Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertitel
Werkeinführung 30 Minuten vor Aufführungsbeginn
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Wiens Kleopatra Sabine Devieilhe im Gespräch mit Dramaturg Christian Schröder
Das Bild von Kleopatra wurde hierzulande je nach Generation durch den Film mit Elizabeth Taylor oder durch die Asterix-Comics geprägt. Was für eine Person ist Cleopatra in Händels Oper?
Die Figur der Kleopatra ist zweifellos eines der schönsten Beispiele für die Entwicklung einer Figur in der Barockoper. Es ist bekannt, dass Kleopatra eine mächtige, äußerst intelligente und emanzipierte Frau war. In der großen Vielfalt der Arien bieten Händel und sein Librettist Haym unter Einhaltung der Regeln der Opera seria der Darstellerin dieser Rolle eine unendliche Palette an theatralischen und stimmlichen Facetten, die sich auf ihre Liebesgeschichte mit Julius Caesar konzentrieren.
Sie haben im Herbst in Paris Dalinda in Ariodante gesungen. Was sind denn eigentlich die stimmlichen Voraussetzungen für Händel-Partien, im Gegensatz etwa zu hohen Koloraturpartien?
Die Frauenrollen bei Georg Friedrich Händel sind insgesamt auf das Zentrum des Stimmumfangs ausgerichtet und erfordern vor allem die Mittellage. Das Prinzip der Da-capo-Arien mit seinen Verzierungen ermöglicht es einer Interpretin jedoch, die Partie in die Richtung der eigenen stimmlichen Möglichkeiten zu entwickeln, wobei natürlich die melodischen Eigenschaften jeder Arie berücksichtigt werden müssen. Diese Arbeit macht mir große Freude, vor allem in einer so ausgefeilten Rolle wie der der Kleopatra!
Gerade Barockmusik können je nach Interpretation, je nach Dirigat und Ensemble, extrem unterschiedlich klingen. Wie stellen Sie sich auf diese Änderungen ein?
Alte Musik ist seit meinen Anfängen in der Musik ein wichtiger Teil meines Repertoires. Ich schätze besonders die Leichtigkeit, die dieses Repertoire ermöglicht. Ich freue mich sehr, das Ensemble il Pomo d'Oro und Francesco Corti bei diesem Projekt kennenzulernen.
Oper konzertant – Ist das eher Spaß oder Herausforderung?
Barockoper eignet sich meiner Meinung nach hervorragend für konzertante Aufführungen. Der harmonische Verlauf, die Dynamik und die kammermusikalische Zusammenarbeit mit den Instrumentalisten sind die Kommunikationsmittel, die dem Publikum während des Konzerts zur Verfügung stehen. Das ist ein Vergnügen!
Der Legende nach habe sich Kleopatra durch ein Bad in Eselsmilch gepflegt… Worauf muss eine Sopranistin achten, um ihre Stimme zu pflegen?
Eine Sopranistin muss, wie jeder Mensch, der den Winter gesund überstehen möchte, auf ihr Immunsystem achten!
