Oper in drei Akten (1904)
Libretto von Leoš Janáček
Neuproduktion des Theater an der Wien
nach dem Schauspiel Ihre Ziehtochter von Gabriela Preissová, in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Neuer Premierentermin:
Samstag, 19. Februar 2022, 19 Uhr bis ca. 21.30 Uhr (eine Pause)
Aufführungen:
21. | 24. | 26. | 28. Februar 2022 | 19 Uhr bis ca. 21.30 Uhr (eine Pause)
Einführungsmatinee:
13. Februar 2022, 11 Uhr
Information:
Auch das Theater an der Wien bleibt nicht von der Omikron-Welle verschont und daher muss die am 16.02. geplante Premiere Corona-bedingt auf den 19.02.2022 verschoben werden. Alle Tickets, die bereits für die Vorstellungen am 19., 21., 24., 26. und 28.02. erworben wurden, behalten ihre Gültigkeit. Karteninhaber*innen der Vorstellung am 16. Februar werden von unserem Kartenbüro persönlich für eine Umbuchung auf einen anderen Termin kontaktiert.
Angstvoll wartet Jenůfa, ob Števa, der Mann, den sie liebt und von dem sie heimlich ein Kind erwartet, in die Armee eingezogen wird oder nicht. Wenn ja, könnte er sie nicht heiraten, das Kind hätte keinen Vater und dieser Schande könnte sie sich nur durch Selbstmord entziehen. Števa wird aber nicht eingezogen und kommt tanzend mit anderen Rekruten zurück ins Dorf. Diese Feier wird von der Küsterin, Jenůfas Ziehmutter, unterbrochen. Sie stellt dem betrunkenen Števa ein Ultimatum: Erst wenn er ein Jahr lang nüchtern sei, dürfe er Jenůfa heiraten. Dass Števa nun bleibt, stört Laca sehr, denn er ist schon seit langem in Jenůfa verliebt, sie hat allerdings nur Verachtung für ihn übrig. Als sie alleine sind, bricht seine Eifersucht hervor, und er verletzt sie an der Wange mit einem Messer. Ein halbes Jahr später – es ist Winter – hat Jenůfa heimlich ihr Kind zur Welt gebracht. Während sie schläft, holt die Küsterin Števa ins Haus und verlangt von ihm, Verantwortung für Jenůfa und sein Kind zu übernehmen. Ihn interessiert das alles abernicht, außerdem ist er von Jenůfas Anblick abgestoßen, seit Laca sie entstellt hat. Er könne lediglich Geld für das Kind geben, zudem sei er nun mit Karolka, der Tochter des Dorfrichters, verlobt. Kaum hat Števa das Haus verlassen, kommt Laca. Er will Jenůfa immer noch, aber Števas Kind ist ein Problem, und so bedient sich die Küsterin einer Lüge: Das Kind sei tot. Aus Angst, das Kind verbaue Jenůfas Zukunft, lässt die Küsterin die Lüge wahr werden und ertränkt das Neugeborene. Jenůfa erzählt sie, das Kind sei gestorben, während sie im Fieber lag. Als sie sieht, wie zärtlich Laca Jenůfa tröstet, versucht sie sich einzureden, sie habe das Richtige getan. Aber es mehren sich Anzeichen, dass ihre Tat sie zunehmend verstört … Es ist Frühling und Jenůfas und Lacas Hochzeit steht bevor; die Küsterin aber ist nervlich am Ende. Števa und Karolka sind gekommen, die Dorfmädchen singen ein Hochzeitslied. Plötzlich sind Schreie zu hören: Die Leiche eines Kindes ist unter dem schmelzenden Eis aufgetaucht. Jenůfa erkennt es als ihres und wird des Mordes verdächtigt. Die Küsterin bekennt jedoch ihre Schuld und erklärt ihre Beweggründe. Jenůfa vergibt ihr.
Leoš Janáček war schon 62 Jahr alt, als er breite Anerkennung als Komponist erfuhr. Seinen späten Erfolg hatte er dem Schriftsteller, Theaterund Musikkritiker Max Brod zu verdanken, der 1916 am Prager Nationaltheater seine Oper Její pastorkyňa(Ihre Ziehtochter) sah und sich fortan für ihn einsetzte. Das Libretto erarbeitete Janáček auf Basis des gleichnamigen Schauspiels von Gabriela Preissová. Nach ersten Arbeiten in den Jahren 1894/95 und längerer Unterbrechung beendete Janáček seine dritte Oper 1903. Erfolglos versuchte er, sein neues Werk in Prag unterzubringen. Die Uraufführung fand 1904 in Brünn statt, für weitere Aufführungen musste Janáček noch Überarbeitungen vornehmen: Er bemühte sich erneut um eine Aufführung in Prag, was schließlich – angeblich durch Vermittlung von Freunden – 1916 glückte, allerdings unter der Bedingung, dass Karel Kovařovic, Direktor des Nationaltheaters, das Werk einer sorgfältigen Revision unterziehen würde. Jenůfas trauriges Leben, das aufgrund ihres getöteten Kindes sogar tragisch wird, findet in einem kleinen Dorf mit komplexen Strukturen statt: Zentrum dieser Verwicklungen ist die Dorfmühle, in der die alte Burya mit ihren Enkeln, den Stiefbrüdern Števa und Laca, ihrer Schwiegertochter, der Küsterin, und deren Ziehtochter Jenůfa lebt. Die engen familiären Beziehungen der handelnden Personen zueinander befeuern deren Emotionalität; das zeigt sich sowohl an Lacas Eifersuchtsausbruch, als auch an der Entscheidung der Küsterin, ihre Notlüge wahr zu machen und Jenůfas Kind zu töten. Die sehr rigiden Wert- und Moralvorstellungen der Dorfgemeinschaft tun ihr Übriges – eine Flucht aus diesen Strukturen ist nicht vorgesehen. Její pastorkyňa ist eine Tragödie voll von expressiver Musik, die Janáček teils durch repetitive Strukturen, deren Verzerrung und Steigerung erreicht. Als herausragend gilt Janáčeks musikalische Ausformung der tschechischen Sprache. Das wiederum erschwerte Aufführungen in anderen Sprachen. Für die deutschsprachige Erstaufführung an der Wiener Hofoper verfasste Max Brod eine deutsche Übersetzung, und Janáček modifizierte Teile der Gesangspartien. Auch unter einem neuen – international tauglichen – Titel wurde die Aufführung ein großer Erfolg und aus Její pastorkyňa wurde in Wien schließlich: Jenůfa.



















