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„Da haben wir denn auch in der bittersten Kälte von halb sieben bis halb elf ausgehalten, und die Erfahrung bewährt gefunden, dass man auch des Guten – und mehr noch, des Starken – leicht zu viel haben kann.“ So berichtete der Komponist und Musikschriftsteller Johann Friedrich Reichardt von jenem denkwürdigen Konzert am 22. Dezember 1808, bei dem Beethoven eine Reihe seiner Werke – darunter die 5. und 6. Symphonie – „im großen vorstädtschen Theater“, dem (ungeheizten) Theater an der Wien, zur Uraufführung brachte. Doch bei Zimmertemperatur wurde man schon bald auf die Größe dieser beiden so unterschiedlichen Werke aufmerksam, die zugleich revolutionär neu und doch klassisch geordnet erscheinen. So urteilte beispielsweise der romantische Dichter E.T.A Hoffmann in der ersten bedeutenden Rezension über die 5. Symphonie: Beethovens Musik eröffne „das Reich des Ungeheuern und Unermesslichen“, verkünde aber auch „die besonnene Genialität des Meisters“. Die Arbeit an der Fünften hatte Beethoven 1806 unterbrochen, um erst seine Vierte Symphonie zu schreiben, die ein Jahr später im Palais Lobkowitz uraufgeführt wurde. Über den langsamen Satz schrieb Hector Berlioz ebenso begeistert wie schwülstig, er gleiche dem Seufzen des Erzengels Michael in einem Moment der Melancholie. Im selben Jahr arbeitete Beethoven an seinem einzigen vollendeten Violinkonzert, das er für den befreundeten Violinvirtuosen Franz Clement, den „Musikdirektor“ des Theater an der Wien, schrieb. Überlieferungen zufolge arbeitete Beethoven bis kurz vor dem Beginn des Konzerts an seinem Stück, sodass Clement es quasi von Blatt spielen musste.