King Arthur © beyond | Herwig Zens

Zum Werk

Henry Purcell war ein Jahrhunderttalent, ein außerordentlicher Komponist und Musiker, schon zu Lebzeiten erhielt er den Ehrennamen „Orpheus britannicus“ – bis ins 20. Jahrhundert inspirierte seine Musik, besonders die exorbitante Behandlung der englischen Sprache, ganze Komponistengenerationen. Gemeinsam mit dem Dichter John Dryden schuf er mehrere Semi-operas, eine spezielle Form der englischen Barockoper, die nach kurzer Blüte von der italienischen Oper verdrängt wurde. Die Semi-opera entwickelte sich aus den in England beliebten Masques und verknüpfte in annähernd gleichen Teilen Schauspiel, Musik, Tanz und Spektakel miteinander. John Dryden schrieb sein Drama King Arthur schon 1684 für das im darauffolgenden Jahr stattfindende 25. Thronjubiläum von Karl II. Das ursprünglich dreiaktige Stück mit allegorischem Prolog wurde allerdings nie in Drydens intendierter Form umgesetzt, da Karl II. schon vor den Feierlichkeiten verstarb. Lediglich den Prolog ließ Dryden von dem katalanischen Komponisten Louis Grabu vertonen. Durch den Theatermanager Thomas Betterton – er erzielte mit Purcell und der ersten gemeinsamen Semiopera Dioclesian einen sensationellen Erfolg – lernten sich Dryden und Purcell vermutlich 1690 kennen. Betterton war es auch, der Dryden eine Umarbeitung von seinem King Arthur empfahl, um das Stück von Purcell vertonen zu lassen. Da Dryden seine Fassung speziell für die Vertonung durch Purcell anfertigte, stellt King Arthur insofern eine Besonderheit in der kurzen Geschichte der Semi-opera dar, denn normalerweise – auch nach King Arthur – wurden bestehende Schauspiele lediglich adaptiert, nie speziell für eine Vertonung eingerichtet. Die Uraufführung im Jahr 1691 geriet zum Erfolg, wenn auch die Produktion weniger  durch Opulenz glänzte. King Arthur enthält die bekannteste Theatermusik von Purcell: Die Frost-Szene aus dem dritten Akt mit der berühmten Arie des Cold  Genius. Die eigentliche Handlung um König Arthur, der mit dem Sachsenkönig Oswald um die Macht in England und um die Liebe der blinden Emmeline kämpft, wird in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf in eine spannende Rahmenhandlung eingebettet.