Elias © beyond | Herwig Zens

Zum Werk

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte nominell nie eine Oper, schuf aber mit seinem Oratorium Elias eine „Ersatzoper“. Zehn Jahre lang trug er den Plan zu diesem Oratorium in sich. Die heldenhafte Figur des Propheten, den er als „stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster“ empfand, inspirierte ihn nachhaltig. Nachdem ihn das Birmingham Music Festival mit einem neuen Oratorium – schon sein erstes, Paulus, war höchst erfolgreich aufgenommen worden – beauftragte, schrieb er die Partitur unter Hochdruck fertig. Sie trägt deutlich opernhafte Züge: Die Dramatik des alttestamentarischen Stoffes setzte Mendelssohn in ebenso dramatische Musik. Er gliederte zwar den Elias klassisch in Chorpassagen, Arien und Rezitative, verzichtete aber auf einen Erzähler, der typischerweise das Publikum durch das Geschehen führt. Daher sind die Rezitative fast durchgehend dramatisch gestaltet – die handelnden Figuren sprechen miteinander statt übereinander.
Die meisten Arien hingegen zeichnen sich weniger durch eine opernhafte Virtuosität aus, sondern durch eine fast liedhafte Innerlichkeit und verbinden das Oratorium Elias mit Mendelssohns eigenem Liedschaffen. Hauptträger der Handlung ist der Chor, der sowohl als anonyme Stimme das Geschehen kommentiert, als auch in die Rolle der Anhänger Jahwes, der Baalspriester oder der Engel schlüpft. Mendelssohn gestaltete die Chorpassagen facettenreich, so sind im Elias dramatische Chorpassagen ebenso zu hören wie choralartige, die der pathetischen Überhöhung des Geschehens dienen und eine eigene Strahlkraft entwickeln. Man spürt in Elias auch das Vorbild von Johann Sebastian Bachs Oratorien, zu deren   Wiederentdeckung seit 1829 Mendelssohn maßgeblich beigetragen hat. Bewusst schloss er mit seinem Oratorium an sein großes Vorbild an. Nach der Premiere am 26. August 1846 revidierte Mendelssohn seinen Elias gründlich, ersetzte teilweise ganze Nummern, überarbeitete andere. Im Frühjahr 1847 präsentierte er die neue Fassung dem englischsprachigen Publikum, Aufführungen auf Deutsch waren für den Herbst des Jahres geplant. Vor deren Realisierung verstarb Mendelssohn an den Folgen eines Schlaganfalles, er hörte seinen Elias nie auf Deutsch.