Halka 1280x680 © beyond | Leopold Kogler

Zum Werk

Stanisław Moniuszko gelang es, mit Halka 1858 musikalisch einen spezifisch  polnischen Ton zu definieren – Halka gilt auch deshalb bis heute als polnische Nationaloper. Der durchschlagende Erfolg beruhte auf der klugen Einbindung  polnischer Tänze wie der Mazurka, der Polonaise und den Volkstänzen der Goralen, einer ethnischen Minderheit, die in der Hohen Tatra bis heute lebt. Polen war als   eigener Staat seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr existent, umso wichtiger war es für die unter russischer, preußischer oder österreichischer Herrschaft lebenden Polen, eine Identität in ihrer Kultur zu finden. Die Oper zeigt das traurige Ende der Liebesgeschichte zwischen dem reichen jungen Gutsherrn Janusz und einer seiner Untergebenen, dem Goralen-Mädchen Halka, und spiegelt so die zu dieser Zeit aktuelle soziale Struktur der Bevölkerung der Gebiete, in der Polen lebten. Dort war der Staat streng hierarchisch organisiert, und es gab in weiten Teilen noch Leibeigenschaft. Immer wieder flammten Aufstände gegen die feudalistische  Gesellschaftsordnung und die Fremdherrschaft auf. In diesem Sinne ist Halka bewusst von Moniuszko und seinem Librettisten Włodzimierz Wolski als hochpolitische Oper entworfen und vom Publikum auch so aufgefasst worden – sie erlangte den Status einer Nationaloper nicht nur aufgrund der Verarbeitung musikalisch traditioneller Motive. Mazurka und Polonaise waren damals auch die Tänze des Adels und wurden somit im Gesamtzusammenhang der Oper eher negativ konnotiert verwendet; die Volksmusik der unteren Stände aus dem bäuerlichen Milieu der Goralen sind positiv dagegen gesetzt. Halkas Weg zur Nationaloper war nicht  problemlos: Moniuszko war ein schlecht bezahlter Kapellmeister in Wilna, als er  zusammen mit Wolski die Oper konzipierte. Zuerst hatte Halka nur zwei Akte, und keiner wollte sie aufgrund ihres damals explosiven Inhalts aufführen. Es kam 1848 in Wilna erst zu einer konzertanten Aufführung, 1854 gelangte sie dort endlich auch  szenisch auf die Bühne und der Erfolg war triumphal. Für die vier Jahre später  erfolgende Aufführung in Warschau erweiterte Moniuszko sein Werk auf vier Akte, und in dieser Form erlangten Halka und ihre Schöpfer ihren verdienten Ruhm.