Salome © beyond | Leopold Kogler

Zum Werk

Richard Strauss’ Oper Salome war 1905 genauso ein Skandal wie 1891 Oscar Wildes gleichnamiges Stück, das in England zunächst sogar verboten war. An der Wiener Staasoper konnte Strauss’ Werk erst 1918 aufgeführt werden, denn der Klerus hatte es bis dahin verhindert. Als Strauss Cosima Wagner aus der Partitur vorspielte, urteilte sie: „Das ist Wahnsinn! ... Nichtiger Unfug, vermählt mit Unzucht.“ Gustav Mahler hingegen war begeistert: „Das ist Ihr Höhepunkt bis jetzt!“ Es  faszinierte oder verstörte vor allem dieser Gewalt entfesselnde Aufeinanderprall zweier kompromissloser Bestrebungen, zweier entgegengesetzter Kräfte: Die erwachende, gierige Sexualität der jungen, bedenkenlos grausamen Salome trifft auf die fanatische religiöse Reinheit Jochanaans. Unterschiedlichste Deutungen werden immer wieder vorgenommen: Alte und neue Zeit stehen gegeneinander, wir erleben die Eruption einer durch das Patriarchat zu sehr unterdrückten und ausgebeuteten Frau – auf der einen Seite durch Sexualität, auf der anderen durch misogyne moralische Restriktionen. Aber auch Strauss’ konzentrierte musikalische Umsetzung war nicht weniger kühn und stellte die Ausführenden vor eine große Herausforderung. Die Uraufführung an der Dresdner Hofoper kam nur unter Mühen zustande, den Musikern, Sängerinnen und Sängern fiel die Einstudierung der damals ungewohnten, schwierigen Musik wie das Einfühlen in die Rollen extrem schwer. Was Oscar Wilde an symbolistischen Metaphern wie Mond, Blick und Blut vorgab, verwob und erweiterte Strauss zu einer noch viel diferenzierteren formalen und  harmonischen Provokation am Rande der Tonalität für die damalige Musikwelt. Wagners Leitmotivik entwickelte er zu einem ausgefeilten System, mit dem er die schicksalhafte Verbundenheit der Charaktere genau ausformulieren konnte. Dadurch ermöglichte Strauss dem Orchester zusammen mit einem berauschenden  Klangfarbenreiz und einer verstörenden Harmonik ein Höchstmaß an Deutungskompetenz, wie es bis dahin in der Operngeschichte nicht dagewesen war. Mit diesem inhaltlich wie musikalisch beispiellosen, gerade mal 1 ¾ Stunden langen  Schocker katapultierte er die Oper in die Moderne. Eberhard Kloke hat in seiner für das Theater an der Wien adäquaten Fassung diesen Aspekten Rechnung getragen.