Zaza 1280x680 © Monika Rittershaus

Commedia lirica in vier Akten (1919)

Musik von Ruggero Leoncavallo

Libretto von Ruggero Leoncavallo unter Mitarbeit von Carlo Zangarini

nach dem gleichnamigen Schauspiel von Pierre Berton und Charles Simon

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Neuproduktion des Theater an der Wien

Premiere: Mittwoch, 16. September 2020, 19:00 Uhr

Aufführungen: 18. / 21. / 23. / 25. / 27. September 2020, 19:00 Uhr bis 21 Uhr (keine Pause)

Für zu spät kommende Besucher*innen ist kein Nacheinlass möglich.

Betrifft: Einführungsvortrag für Premierenabonnent*innen und Abonnent*innen von "Die Zweite":

Aufgrund der Präventionsmaßnahmen, die wir zu Ihrer Sicherheit im Haus durchführen, kann der Einführungsvortrag leider nicht stattfinden. Einen ausführlichen Einführungstext erhalten Sie gerne auf Anfrage unter presse@theater-wien.at

 

 

Handlung

Zazà ist der umjubelte Star des Varietétheaters Alcazar in St. Etienne, einer französischen Provinzstadt im weiteren Umfeld von Paris. Alle Männer liegen ihr zu Füßen, nur der Pariser Geschäftsmann Milio Dufresne scheint ihre Rivalin Floriana zu bevorzugen. Was man nicht haben kann, wird das Ersehnte: Zazà hat längst ein Auge auf den Widerspenstigen geworfen und wettet nun mit dem Journalisten Bussy, dass Milio ihr in kürzester Zeit verfallen sein wird. Der Sieg wird ihr leicht, denn Milio begehrt Zazà heimlich, hat jedoch bislang nicht gewagt, sich der Vielumschwärmten zu nähern, nicht zuletzt, weil er um seinen Ruf fürchtet. Seine Bedenken werden schnell von Zazàs offensivem Verführungsversuch hinweggefegt, und die beiden  werden ein Liebespaar. Diese Eroberung aus Ehrgeiz wird Zazà aber zum Verhängnis. Sie verliebt sich ernsthaft in Milio, will seine Frau werden und den Tingeltangel hinter sich lassen. Aber der Traum zerplatzt: Cascart, ihr Bühnenpartner und ehemaliger Geliebter, erzählt ihr, dass er Milio in Paris mit einer anderen Frau gesehen hätte. Wutentbrannt fährt Zazà nach Paris, dringt in Milios Wohnung ein, um mit der Konkurrentin um ihre Zukunft zu kämpfen. In der Wohnung trifft sie jedoch nur ein kleines Mädchen an – Totò, Milios Tochter. Sie erzählt der netten fremden Frau von ihrer Mutter, und dass die kleine Familie bald nach Amerika gehen wird. Nach und nach enthüllt sich Zazà, dass Milio verheiratet ist und sie von Anfang an über seinen Familienstand belogen hat. Als schließlich Madame Dufresne nach Hause kommt und sich über die Unbekannte in ihrem Wohnzimmer wundert, gibt Zazà vor, sich in der Adresse geirrt zu haben, und geht davon. Sie beschließt, das Familienglück nicht zu zerstören, denn sie erinnert sich an ihr eigenes Schicksal, das sie der kleinen Totò ersparen will: Zazàs Vater hatte ihre Mutter Anaide verlassen, woraufhin die Mutter dem Alkohol verfiel. Als Milio wieder zu ihr kommt, trennt sie sich von ihm. Er enthüllt dabei zu guter Letzt noch seine wahre spießbürgerliche Gesinnung, und von der romantischen Liebe bleibt für Zazà nicht einmal eine schöne Erinnerung – sie selbst findet sich traurig mit ihrem Dasein als Varietéstar ab.

Zum Werk

Ruggero Leoncavallos Ruhm gründet sich auf einer einzigen Oper, auf Pagliacci – Der Bajazzo. 1892 uraufgeführt, ist der Welterfolg ein Initialwerk des Verismo. Besser Informierte wissen vielleicht, dass Leoncavallo auch eine Version von La bohème in Konkurrenz zu Giacomo Puccini geschrieben hat. Mit Zazà hatte er jedoch zu Lebzeiten auch einen veritablen Erfolg. Nach der Uraufführung 1900 am Teatro Lirico in Mailand wurde Zazà international häufig gespielt, vorausgesetzt, es gab eine Primadonna, die der anspruchsvollen Titelpartie gewachsen war. Den größten Erfolg konnte Zazà sogar in den 1920er Jahren an der Metropolitan Opera New York verbuchen. Auch Zazá gehört stilistisch zum Verismo und spielt im schillernden Künstlermilieu, allerdings nicht wie der Bajazzo bei einer fahrenden Commedia dell’arte-Truppe, sondern unter semi-sesshaften Varietékünstlern, deren Reputation aber kaum besser ist als die ihrer vazierenden Kollegen. Die Schilderungen von halbseidenen Unterhaltungsshows und bürgerlichem Pariser Heim boten Leoncavallo musikalisch vielfältige Möglichkeiten. Im ersten Akt evoziert er anschaulich die Atmosphäre hinter der Bühne, für die er eine Art von damals experimenteller, moderner Collage-Technik entwickelt. Verschiedene Musiken und Musikstile überlagern sich: Der deklamatorisch-rezitativische Stil der Gespräche hinter der Bühne mischt sich mit den Musikdarbietungen auf der Bühne. Ähnlich schiebt er im dritten Akt in Paris die Gespräche, Totòs Klavierspiel und den durch das Fenster von der Seine in den bürgerlichen Salon hineindringenden Gesang der Wäscherinnen übereinander. In dem prinzipiell an Wagner orientierten Deklamationsfluss blitzen auch immer wieder arienhafte Momente hervor, wachsen sich aber nie zu einer schlagertauglichen Melodie aus – was sicherlich die Popularität von Zazà  eingedämmt hat. Leoncavallo kannte aus eigener Erfahrung die Atmosphäre der Varietés, das Leben der Sängerinnen und die bürgerliche Doppelmoral, die sein Stück vorführt, denn vor seinem großen Erfolg mit dem Bajazzo verdiente er sich als Pianist in solchen Etablissements in Paris sein Geld. Kurz vor seinem Tod 1919 straffte er Zazà im Sinne einer stringenteren Dramatik. Am Theater an der Wien  zeigen wir diese zweite Fassung, ergänzt um drei Einlagen aus der Erstfassung von 1900. 

Besetzung

Musikalische Leitung

Stefan Soltész

Biografie
Inszenierung

Christof Loy

Biografie
Bühne

Raimund Orfeo Voigt

Biografie
Kostüme

Herbert Barz-Murauer

Biografie
Choreografie

Thomas Wilhelm

Biografie
Licht

Reinhard Traub

Biografie
Dramaturgie

Klaus Bertisch

Biografie
Zazà

Svetlana Aksenova

Biografie
Anaide, ihre Mutter

Enkelejda Shkosa

Biografie
Floriana, Varietésängerin

Dorothea Herbert

Biografie
Natalia, Zazàs Freundin

Juliette Mars

Biografie
Milio Dufresne

Nikolai Schukoff

Biografie
Madame Dufresne, seine Frau

Dorothea Herbert

Biografie
Totó Dufresne, ihre Tochter

Vittoria Antonuzzo / Livia Gallenga

Biografie
Cascart, Varietésänger

Christopher Maltman

Biografie
Bussy, Journalist

Tobias Greenhalgh

Biografie
Courtois, Theaterdirektor

Paul Schweinester

Biografie
Duclou, Inspizient

Ivan Zinoviev / Dumitru Mădăraşăn

Biografie
Augusto, Hilfsinspizient

Johannes Bamberger

Biografie
Ein Herr

Patrick Maria Kühn

Biografie
Claretta, Tänzerin

Ena Topcibasic

Biografie
Simona, Tänzerin

Liliya Namisnyk

Biografie
Marco, Concierge bei Dufresne

Johannes Bamberger

Biografie
Zwei spanische Tänzer

Anna Possarnig / Elias Morales

Biografie
Zwei Clowns

Beatriz Delgardo Flores / Elvis Grezda

Biografie
Zwei Artisten

Carina Nopp / Diego Federico

Biografie
Ankleiderin

Lilo Besold

Biografie
Feuerwehrmann

Fabio Coutinho

Biografie
Orchester

ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Biografie
Chor

Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner)

Biografie

Fotos Galerie

Zazà

Premiere: 16. September 2020

Inszenierung: Christof Loy

Bühne: Raimund Orfeo Voigt

Kostüme: Herbert Barz-Murauer

Licht: Reinhard Traub

Fotos: (c) Monika Rittershaus