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Er war Priester, widmete sich aber ausschließlich der Musik, spielte zweimal vor dem Papst und wurde auf seinen Reisen von der jungen Sängerin Anna Girò begleitet. Antonio Vivaldi bleibt auch zweieinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod ein Rätsel. Er war auf dem Höhepunkt seiner Karriere eine europaweite Berühmtheit und starb 1741 von der Musikwelt vergessen in Wien, wo er auf dem Spitaller Gottsacker vor dem Kärntnertor beigesetzt wurde. Als Opernkomponist war Vivaldi im 19. Jahrhundert unbekannt, erst 1926 wurde das erste Dutzend Vivaldi-Opern wiederentdeckt. Er selbst behauptete in einem Brief, 94 Opern komponiert zu haben, von denen bis 2006 fünfzig bekannt, aber nur sechzehn vollständig aufgefunden waren. Als bis dahin verschollen galt auch die Oper Argippo, die Vivaldi 1730 für Wien und Prag geschrieben hat. Nur die deutschen Übersetzungen der Libretti beider Aufführungen sind erhalten geblieben. 2006 fand der tschechische Dirigent Ondrej Macek im Archiv der Thurn und Taxis im bayerischen Regensburg Arien aus Argippo, die von der wissenschaftlichen Kommission des Italienischen Antonio-Vivaldi-Instituts in Venedig anerkannt wurden. 2008 fand die erste Aufführung der rekonstruierten Fassung von Argippo statt und dem Vivaldi-Opernkatalog konnte ein weiteres Werk hinzugefügt werden. In der Universitätsbibliothek Darmstadt wiederum fand der  deutsche Musikwissenschafter Rashid-Sascha Pegah eine vollständig erhaltene, unbezeichnete Partitur einer dreiaktigen Oper, die sich als Argippo-Pasticcio mit zumindest sechs Vivaldi-Arien entpuppte. Das mehrfach adaptierte Libretto stammte ursprünglich von Domenico Lalli für Venedig 1717 und verhandelt eine exotische Liebesgeschichte aus dem fernen Indien, mit dem Venedig Handel betrieb und dessen Großmogul Aurangzeb 1707 verstorben war. Zanaida, die Tochter des indischen Großmoguls fühlt sich von ihrem früheren Liebhaber, den sie für den  bengalischen König Argippo hält, betrogen. Dem Selbstmord nahe blickt sie einem Besuch Argippos mit seiner Gattin Osira entgegen. Tatsächlich aber wurde Zanaida vom höfischen Berater Silvero verführt, der sich als Argippo ausgegeben hat und den deshalb ebenfalls Schuldgefühle plagen.