Der feurige Engel 2020/21 1280x680 © Hermine Karigl-Wagenhofer

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Sergei Prokofjew konnte im Jahr 1918 aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Russland ausreisen und versuchte sich in New York zu etablieren. Dort stieß er auf Waleri Brjussows symbolistischen Roman Der feurige Engel und witterte in der verstörenden Geschichte, in der Wahnsinn und Realität, Magie und Budenzauber  ununterscheidbar bleiben, ein gutes Sujet für eine Oper. Er formte den Roman selbst  zum Libretto um und nutzte ausgiebig die Gelegenheit zu orgiastischer, Wahn  suggerierender und daher extrem unkonventioneller Musik. Der Text spielt mit der Möglichkeit, dass es Magie gibt, aber wirklich sichtbar ereignet sie sich kaum, Prokofjew hat alle Magie in die Komposition gelegt. Der feurige Engel Madiel taucht nie auf – ob es ihn gibt oder ob er nur eine Halluzination ist, bleibt unklar, fassbar ist er nur in einem ihm zugeordneten musikalischen Thema. Die Oper endet in einem Exzess: Ein anfangs ruhiges Klosterthema steigert sich zu einem szenischen und musikalischen Inferno, in dem ein bis dahin nur mit Renata verbundenes Wahn-Motiv auf fast alle übergreift. Dem begeisterten Prokofjew ging die Arbeit zunächst zügig von der Hand, 1920 präsentierte er dem Direktor der Metropolitan Opera Auszüge, aber dieser zweifelte schon angesichts der kleinen Kostproben an der Aufführbarkeit dieses Projekts. Als Prokofjews Hoffnungen auf eine Karriere in Amerika schwanden, brach er die Arbeit am Feurigen Engel ab. Erst 1927 stellte er die Partitur fertig, fand aber nie eine Uraufführungsbühne und verwendete Teile der Oper in seiner  Symphonie c-Moll. 1936 kehrte Prokofjew in die nun stalinistisch geprägte  Sowjetunion zurück, wo an eine Aufführung dieses provokanten Werks nicht zu denken war. Ein Jahr nach Prokofjews Tod 1953 erfolgte in Paris eine französischsprachige Uraufführung, aber bis heute ist Der feurige Engel nur selten  auf den internationalen Opernbühnen zu erleben.

Im April 2020 mussten wir leider aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der  Corona-Epidemie die bereits begonnenen Proben abbrechen. Wir freuen uns aber, dass es möglich ist, die Arbeit 2021 wiederaufzunehmen und diese eigentlich für die vorige Saison geplante Inszenierung nun doch noch präsentieren zu können.